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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. verläßt sich darauf, daß Manager sich niemals erinnern ...

Es ist Zeit für die vierteljährlichen Budget-Besprechungen, und ich versuche, die Manager davon zu überzeugen, daß wir das Ethernet in einer der Außenstellen ausbauen sollten.
Nach etwa einer Stunde hört sich das so an:
 
Manager 1: "Sie sagen also, daß 10 Millionen dieser ´Bit´-Dinger PRO SEKUNDE nicht schnell genug ist?"
 
Ich: "Genau."
 
Manager 2: "Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser Außenstelle und die Geschwindigkeit dort war wirklich mies!"
 
Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum Teufel, ich kann kaum ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen."
 
Ich: "Das überrascht mich nicht."
 
Manager 1: "Wie bitte?"
 
Ich: "Ich sagte, diese Zahl überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..."
 
Manager 1: "Oh."
 
Ich: "Sehen sie, als mein Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die billigste Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem gleichen Rechner verbunden. Das ist so, als würden alle die gleiche Straße zur Arbeit nehmen."
 
Manager 1: "Aber wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!"
 
Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer als heute. Und ..."
 
Manager 1: "Und was?"
 
Ich: "Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene Netzwerk-´Straße´ bekommen."
 
Manager 2: "Was ist daraus geworden?"
 
Ich: "Nun, vermutlich eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer Probleme."
 
Manager 2: "Was heißt das?"
 
Ich: "Er hat quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das übriggebliebene Material verkauft und ihnen noch einmal berechnet."
 
Manager 1: "Wirklich?"
 
Ich: "Ja, so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren."
 
Manager 1: "Ich finde, daß das schwer zu glauben ist. Irgendwo muß ein Irrtum vorliegen. Er hat mir versichert, alles richtig gemacht zu haben."
 
Ich: "Ähm, vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht."
 
Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, daß er uns nicht übers Ohr gehauen hat!"
 
Ich: "Na gut, dann sagen sie mir, wieviel er verdient hat?"
 
Manager 1: "Siebeneinhalb [australische Pfund] pro Stunde."
 
Ich: "Und welches Auto fuhr er?"
 
Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio."
 
Ich: "Welche Kleidung trug er?"
 
Manager 1: "Gute italienische Anzüge."
 
Ich: "Werden die Dinge jetzt ein wenig klarer?"
 
Manager 1: "Sie wollen also sagen ..."
 
Ich: "Ja, das will ich."
 
Manager 1: "Er ..."
 
Ich: "Er hat es getan!"
 
Manager 2: "Wie schlimm IST das?"
 
Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es inzwischen gab, verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das Netzwerk zu warten."
 
Manager 3: "Was schlagen sie vor?"
 
Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP für die Workstations und Cat-5, so daß wir auf ATM umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter verbreitet und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine komplett neue Verkabelung in ein paar Jahren einsparen."
 
Ich unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu geben, sich von den Abkürzungen zu erholen.
 
Manager 1: "Wieviel wird es kosten?"
 
Ich: "Nun, es wird nicht billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die Verkabelung wird durch mich und meinen Assistenten durchgeführt und die Zeit als Überstunden mit doppeltem Stundensatz abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein anderes Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen können, würde das dann das Dreifache kosten und auch nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die die Kabel verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der Zukunft reagieren können ..."
 
Manager 2: "Das klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte der Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist jemand dagegen?"
 
Zwei Wochen später zieht der PJ in die Außenstelle und beginnt mit der Arbeit.
 
"Wir tauschen also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche mit einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene Cat-5-Kabelenden im Gang liegen und bohren ein paar Löcher in die Kabelverkleidung?" will er wissen.
 
"Ja! Ein oder zwei Wochen lang."
 
"Wird man das nicht herausfinden?"
 
"Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation gäbe, in der steht, daß das Cat-5-Kabel schon vorhanden ist, aber unglücklicherweise fiel dieses Schriftstück heute früh in den Reißwolf." antworte ich.
 
"Also wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlußkabel?"
 
"Genau!"
 
"Aber wieso soll das die Performance steigern?"
 
"Das doch nicht. Aber wenn ich den Traffic-Generator im Computerraum des zweiten Stockwerkes abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein Prozent mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance merklich ansteigen."
 
"Also gaukeln wir nur eine Menge Arbeit vor und betrügen sie."
 
"Und vergessen sie nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir weiterverkaufen können."
 
"Sie Bastard!"
 
"Hey, ich hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen lassen, doch ich hatte Mitleid."
 
"Waren die Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?"
 
"Nein. Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Außenstelle ..."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.04.1996, Übersetzung: thomas w., 1999.