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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. spürt, daß etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ...
Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich nehme die Zeichen wahr, als ich unsere Etage erreiche - die Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen. Erster Halt, mein internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben lieber hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros zurückzuziehen. Nun, Naivität kennt manchmal keine Grenzen. Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala der Bürokratie durchaus als eine Bombe bezeichnet werden kann. Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu standardisieren, haben die Chefs eine ´Richtlinie für Zukunftsplanungen´ festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen. Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die Initiative und Weitsicht eines Schraubstocks und hat neulich 10 analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund gekostet haben. Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ... Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine weitere Episode der Saga "Der Krieg der Erbsenzähler gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle fest, daß alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und genehmigt werden müssen, um sicherzustellen, daß sie den Zukunftsvorstellungen der Chefetage entsprechen ... Ich erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wißt-schon-wer sich mit einem Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy kommt herein. "Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten", sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör zum Beispiel. Sie wissen doch, daß wir das im Moment noch gar nicht einsetzen können?" "Auf welche Weise?" frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche, die schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel die PR-Büros - oder ist es nicht so, daß wir den einzigen freien AUI-Connector erst dann nutzen können, wenn wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten? "Oh. Äh. Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, daß aus meinen Berechnungen hervorgeht ..." Er tippt ein paar Zahlen in seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen Etage weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für die Dummheit des vorangegangenen Kaufes zu entschädigen. "... daß wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten, wenn wir sie von unserem gegenwärtigen Zulieferer kaufen würden." "Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ... analogen Diktiergeräten?" frage ich. Er zieht es vor, mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher Organizer. Und wir haben den Zusatznutzen, daß wir in der Lage sind, Informationen mit anderen Organziern auszutauschen, was anderes Equipment nicht kann." Er wackelt davon und hinterläßt in mir das Gefühl, daß das Ergebnis dieses Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell ich kann, verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen Sicherheitsrisiken durch den Datenaustausch mit anderen Organziern gewarnt wird. Es gibt Übernahmegerüchte und das Letzte, was wir wollen, ist das Abhören sensitiver Daten. Meine Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon so erfolgreich, daß man diesen Leuten alles glaubt. Das ist nicht gut. Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer und nehme ihn widerwillig in Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema Up- und Download von Informationen sehr ausführlich, also lese ich es voller Interesse ... Eine Woche später belausche ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum. Es handelt sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, daß ein paar hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er neu verkabelt wurde. "Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles satt", wimmert ein Manager. "Warum?" fragt Jeremy, wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine Spur von Streß in seiner Stimme feststellt. "Dieses verdammte Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und erinnert mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen stattfand. Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion aktiviert habe, kann ich das Ding nicht mit ins Wohnzimmer nehmen, weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und, als wäre das nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz bevor Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab." "Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager. "Mein Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu den Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme. "Das ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner klingelte laut und zeigte ´Dinner mit Trudi´ mit drei Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch in der Nacht, als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich keine Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu suchen." "Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten", versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin sicher, daß da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden." Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist kurz darauf ein Klingeln zu hören. "Großer Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll meinen Arzt wegen des HIV-Tests anrufen!!" "Ich denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer unterbrochen. "Bis auf weiteres werden diese Geräte nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren. Jeremy, kommen sie doch nochmal auf ein Wort zu mir." Dann höre ich, wie Jeremy eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen wird - oberster Fensterputzer. Es ist nur so, daß wir eine fremde Firma damit beauftragt haben ... Wirklich schade. Aber es zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben. |
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© Simon Travaglia, 24.04.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
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