![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ...
Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der Abteilungsleiter und der Geschäftsführer mit betretenen Mienen die Tür aufreißen und hereinstürmen. "Wir haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter. "Wir werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer ihn und tritt vor den Abteilungsleiter. "Warum sagen sie mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld. "Weil sie eigene Methoden zur ´Lösung´ von Problemen haben ..." schlägt der Abteilungsleiter vor. "Router?" erwidere ich ganz unschuldig. "Nein. Sie wissen schon, was ich meine!" "Netzwerke!" rufe ich fröhlich. Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so befreie ich ihn lieber aus diesem kollektiven Mißverständnis. "Okay, wer ist es?" Er spuckt den Namen unseres verhaßten Konkurrenten aus. Später, hinter geschlossenen Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan, dann laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer wieder zu uns ein. "Also, erster Schritt: Feuern sie den PJ!" "Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es aus dem Abteilungsleiter heraus. "Er hat irgendetwas veruntreut." "Wenn das ein Grund für eine Entlassung wäre, dann wären sie ..." Ein kalter Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so daß ich weitermachen kann. "Zweiter Schritt: Ich treffe mich mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer Konkurrenz und auf dem Weg nach draußen stürze ich und verberge dann schnell aber sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem Logo auf der Hülle. Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen Kenntnis unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung als Netzwerkverantwortlicher an." "Klingt gut", zwitschert der Abteilungsleiter. Drei Tage später ist es soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image, indem ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen krimineller Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung der Presse zuspiele. Natürlich glauben richtige Reporter, die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere Beweise anonymen Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in die ´Belastungsteststrecke für Möbel´ und sorge dafür, daß die Presse dabei ist, wenn sie mit ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden. In der Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei Kapitel des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur der Vernichtung hinter sich gelassen. Das Acetylen im Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein netter Zug und hat die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor sie mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten. Ein kleiner Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann ziemlich wirksam sein ... Seine technischen Ratschläge scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die andauernden Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an unseren Konkurrenten betrachtet. Mittlerweile wurde in den letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als in den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der Feuerwehrstation bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde daraufhin in eine Parkverbotszone umgewandelt. Ich habe versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei der Wartung und ´Reparatur´ der Telefonanlage sind die Leute jetzt viel zu beschäftigt, um noch auf Anrufe zu reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre. Ich arbeite weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen Verstärker, als der Abteilungsleiter mir einen Besuch abstattet. "Es geht um diese Unfälle", sagt er. "Welche Unfälle?" frage ich. "Sie wissen, worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum werden die Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel beordert? Wir haben doch eine eigene Testabteilung." "Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute Leute", antworte ich. "Was?! Nun, das ist mir egal. Es muß aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter übrig!" "Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "... es sind ..." Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter Schrei aus der Etage über mir unterbrechen mich. "... zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den ´Schwere Last an erhöhter Stelle plaziert´-Test nicht bestanden. Aber wo ich gerade bei schweren Lasten bin, sie haben nicht zufällig die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei mir steht, gesehen?" Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um sich in seinem Büro zu erholen ... Ich komme gerade in mein Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten will einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird helfen, die Zeit totzuschlagen, bis der Spaß wirklich beginnt ... Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen muß, nehme ich ab. "Mein Telefon ist defekt!" "Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich. "Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf." Dummkopf?!?! "Na gut", flüstere ich, "und wie lautet ihre Nummer?" Er sagt es mir. Ich schaue es mir an. "Ah, Herr 0898." "Ich weiß nicht, wovon sie sprechen." "Sind sie sicher? Ich habe einige SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich anhören können, wenn sie wollen." "Ähm ... das wird nicht nötig sein." "Sind sie sicher?" "Ja, vergessen sie meinen Anruf." "Nun, ich könnte ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit, meine Vergeßlichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen Scotch Whisky. Von der guten Sorte, nicht die, die sie in der Bar servieren ..." "Ich werde sie ihnen sofort schicken lassen." Zehn Minuten später ist die Transaktion vollendet und ich beende den Tag damit, daß ich eines der Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele. Es ist nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer geplagten Seele ... |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 01.05.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
||