![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ...
Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig, so daß ich mich auf einen Besuch unseres Zulieferers vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen zeigen will. Und dann muß ich natürlich noch daran denken, die drohende Übernahme der Firma zu verhindern, indem ich unseren schlechten Ruf weiter verteidige. Mir wird einmal mehr klar, weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist es nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, daß alle wirklich so funktioniert, wie es in den Werbebroschüren steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon herausgefunden hat, wo die Handbücher falsche Informationen liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat. Wenn es nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit, bessere Konditionen für den nächsten Einkauf zu erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis zum Eingang schaffen. Diese Besuche laufen nach dem gleichen Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich erpresse Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein Betriebsrundgang; ein kostenloses Mittagessen und mein Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie jemals auf Probleme stoßen. Mit anderen Worten, ein Tag, der Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde. Als es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über die Besucher. Ein schneller Blick auf den Monitor der Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet habe: unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, daß es sich um den Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben, und es ist nicht der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben. Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach unten, wobei wir uns fragen, was der Zweck dieses Besuches sein könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in welcher Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls offensichtlich um einen Übermittlungsfehler des PJ, der uns nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoß bei unserem nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke. Die technische Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen. Der elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ... ... aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpaßt sich einen Schlag, nach dem er erst einmal seinen Namen vergißt und für wen er arbeitet. Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der Zugangskarte meines Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal 'zufällig' die Tür so schließt, daß die Hand meines Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er dessen Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen Schmerzen beschäftigt. Nicht übel - 11 Sekunden brauchte er für diese Aktion insgesamt. Seine Versuche, den Computerraum zu ´erobern´, sind hingegen erfolglos. Ich setze voraus, daß jeder der sich mit Elektrizität beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher Sicherheitsmaßnahmen und Warnhinweise überflüssig sind ... Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes Netzwerk opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber die Finger lassen sollte. Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht kryptisches Fachchinesisch, ´NetSpeak´ sozusagen. "Wie schnell ist dieser Anschluß?" fragt er und deutet auf unseren Netzwerkanschluß. "Ein kleiner 2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber nur an guten Tagen." "Ja, die haben die Nullen früher mit übertragen." "Nichts, was man mit einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte." Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder, um am kostenlosen Mittagessen teilzunehmen. Während des Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den, der versteht ... "Ich würde die vorherige Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale. "Ja, ein wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so." "Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine Neuinstallation der Ursprungskonfiguration ..." Zwei Wochen später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise Erinnerung. Wir haben Aussicht auf eine völlig neue Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten, ihnen einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren Management, die eine verhinderte Übernahme als Grund für eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich ein vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein schwieriges Alter, besonders dann, wenn man ein Foto von sich selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in Soho) in der obersten Schreibtischschublade entdeckt. Ich bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren Leitung. "Alles in Ordnung?" fragt er. "Na klar, und selber?" "Keine Probleme. Wir mußten euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist. Wirklich bedauerlich." "Machen sie sich keine Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt gerade mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich glaube, ich esse lieber auswärts ..." Die Welt ist voller siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen. --------------------------------------------------------------------- Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H. 2400: 2400 baud. 300er im Synchronmodus: So langsam, daß ein Abschleppseil gebraucht wird. Vorherige Konfiguration: So, wie es einmal war. Die gute alte Zeit. SNMP: Dummheit der Vorschläge von Nicht-technischen Managern (stupidity of non-technical manager's proposals). Nullen früher übertragen: Schwachsinn reden. Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 08.05.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
||