![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ...
Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken, als der Abteilungsleiter vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an wen er die Kündigung schicken soll. "Gibt es einen Grund für ihre Heiterkeit?" fragt er. "Nein, nein, wirklich nicht. Es ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich wirklich, sie hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern unserer Rechner fragten." "Es ist mein voller Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen. "Halt, sie töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die Root-Passwörter?" "Das Warum ist irrelevant. Geben sie sie mir einfach", stößt er hervor. "Sie wissen, daß das unsicher ist?" "Ich werde sie in meinen persönlichen Safe einschließen." "Sie meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage ich. "Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...", setzt der PJ fort. "... und zurück zur 43", vollendet die Putzfrau. "Und dann rufen sie frustriert ihre Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet." Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten Fisches, dann redet er weiter. "In Ordnung, ich werde einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese Passwörter bekommen", sagt er, als er nach draußen stürmt. In dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera in seinem Büro ... Am nächsten Tag stöhnen die Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen Monsters, das in das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er selbst beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro. "Wir können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die versteckte Kamera nur den Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt. "Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber mit dieser haben wir..." <Klick!> "... eine komplette Frontalansicht!" Natürlich zeigt die in der Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen. "Warum haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ verwirrt. "Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu kontrollieren, also wollte ich, daß er diese eine Kamera findet." "Warum?" "Nun, wenn sie sich den Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, daß es nur einen einzigen Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich den Unwissenden spielen kann." "Raffiniert ..." "Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll hinzu. Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter die Passwörter und ändern sie am nächsten Tag, nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um den Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom Geschäftsführer in dessen Lieblingsprojekt, ein Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter uns nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er herausfindet, daß wir die Passwörte wieder geändert haben ... "Wie stehen die Dinge?" fragt der Geschäftsführer wohlwollend. "Großartig, Sir", schwärmt der PJ. "Morgen sollten wir fertig sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit der Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr soviel gekostet, wie mir im Vierteljahr zur Verfügung steht -, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte, nachdem er vom Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton eingeladen wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete, weil er einem der Mädchen seine Interpretation der größten Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt hatte ... Ich schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem Geschäftsführer, wie die Bilder in unseren überseeischen Filialen ankommen. "Die Bilder sehen dann ungefähr so aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es eins. Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen." "Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt der Geschäftsführer und kann dabei seine Freude, selbst im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken. "Es könnte ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, daß mein Lehrling und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu beseitigen. Das meiste müßte problemlos funktionieren, höchstens bei den Außenstellen in Rom und Florida könnte es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen. Der Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will nicht riskieren, sein Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich werde ich ihren Abteilungsleiter entsprechend informieren." Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut kocht. "Oh! Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu unterrichten? Und über die Videokonferenz? Machen sie sich eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an den PJ. Der Abteilungsleiter kocht noch mehr. Drei Stunden später haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das Ziehen von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben. Zwei Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten Gin, die wir im Schutz der Dunkelheit später in das graue Ungetüm von einem Safe schmuggeln. "Warum tun wir das?" will der PJ wissen. Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe und lande schwer wieder auf dem Boden. Ein Knirschen des Bodens unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit. Sekunden später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten. Am nächsten Morgen können wir zusehen, wie der Abteilungsleiter seine Sachen packt. Der PJ philosophiert dabei über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen sie, er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf dem Video-Multiplexer gelandet wäre ..." "Ja", antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall. Vielleicht war es sogar das Buch mit den Passwörtern, das dem Kamel schließlich das Rückgrat gebrochen hat ..." |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 15.05.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
||