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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. findet heraus, daß es ´Fehler in der Ausbildung´ und ´Ausbildung in Fehlern´ gibt ...
Der PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests durchzuführen, als das Telefon klingelt. Es handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie geklingelt hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluß aus der Steckdose zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar Momente dem Telefon widmet, verpasse ich ihm ein paar Schüsse in den Rücken. Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender Nährboden für den Machiavelli in uns allen. "Das war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im Raum etwas zu verringern. "Zeit für neue Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des Abteilungsleiters ab. Fünf Minuten später ist er mit einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck zurück. "Schwierigkeiten?" "Er glaubt nicht, daß ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine Erhöhung meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten." Das mag ich gar nicht - denn wenn es ihm passiert kann, dann könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine tiefsitzende Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils. Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an. "Was müssen wir tun, um zu beweisen, daß mein Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?" "Normalerweise gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit einem unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf diese Weise prüfen wir das Wissen des Kandidaten über Netzwerke." Ich arrangiere den Test für den nächsten Tag und beauftrage den PJ damit, seine Hausaufgaben zu machen ... Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf das Ereignis des Tages - mit Ausnahme des unabhängigen Experten. Wie auch immer, für die nächsten paar Stunden werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt der Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt. Ich biete mich als unabhängiger Experte an. "Okay, ein paar Fragen", sage ich. "Schießen sie los", antwortet der PJ. "Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die Dateien eines Nutzers löschen?" "Wie lange ich in der vorherigen Nacht geschlafen habe?" "Sehr gut. Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf sollten sie achten?" "Darauf, daß die Tastatur drunterliegt." "Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein wertvoller persönlicher Gegenstand." "Natürlich." "Wann sollten Überstunden geplant werden?" "Wenn die Umstände eine Operation während der normalen Arbeitszeit als gefährlich erscheinen lassen." "Weitere Informationen?" "Wenn ich mich schlecht fühle, weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist." "Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines Computers für seine Privatangelegenheiten. Was würden sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?" "Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore C-64 mit einem doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper benutze - zu einem Preis von 600 Pfund." "Und wenn etwas schiefgeht?" "Das kann es nicht." "Wieso?" "Das Ding ist so präpariert, daß es Feuer fängt, wenn es angeschlossen wird. Ich würde es dann darauf schieben, daß das Gerät falsch angeschlossen wurde." "Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiß mit Beschwerden, daß Sitzungen am NT-Server in der vierten Etage immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem liegen?" "Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, daß der Telefonhörer nicht neben dem Telefon, sondern auf der Gabel liegt." "Korrekt." Eine halbe Stunde später ... "Nun, ich bin davon überzeugt, daß er viel gelernt hat." "Und ich bin nicht überzeugt!" ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde angestellt, um die Ursachen für schlechten Service und mangelnde Erreichbarkeit, unsere schlimmsten Probleme unter ihrer Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn in dieser Richtung auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version ihrer selbst gemacht!" "Stimmt, und er ist doch wirklich gut, oder?" kommentiere ich. "NEIN! Und wenn sie auch nur einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung zu ... zu diesem ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es BLEIBT dabei, daß die Höhe des Lohnes in seinem Ausbildungsvertrag nicht geändert wird." Es stimmt, daß es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer, wie viele ´Jobs´ vom Einsatz des Werkzeuges ´Erpressung´ profitieren. "Nun gut", sage ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja noch ein Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling Fehler macht, ist es sicher gerechtfertigt, wenn sie ihm als Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen doch, von welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das Schicken einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche aus der Personalabteilung an den Geschäftsführer. Wie geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer auf den Cayman Islands? "Äh. Gut, wenn man genau überlegt, könnten seine Fähigkeiten mehr ..." "Fehler wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers, der deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer Arbeitsplatzmaschine in das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit der Präsentation, die der Geschäftsführer bei seiner nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren könnte. In der internationalen Einheit der Operatoren für ihren Erfolg, Beteuerungen pro Sekunde (BpM), gemessen, nähert sich der Personalchef gefährlich der roten Linie. Eine halbe Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ später sitzen wir wieder in unserem Büro. "Was soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?" "Schicken sie sie ab." "An den Personalchef?" "NATÜRLICH NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch in der Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden." Ich muß wohl nicht betonen, daß meine Lohnerhöhung ohne Probleme genehmigt wird. |
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© Simon Travaglia, 22.05.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
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