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| bastard operator from hell | ||
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Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto ´Netzwerk-Profi des Jahres´ ...
Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß ich die Anrufe an die Service-Abteilung in das vor kurzem frei gewordene Büro des Abteilungsleiters umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf die Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe. Vergessen sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für den B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von Telefonenhörern, die wütend auf die Gabel geknallt werden. Unser Telefonsystem befindet sich im Schockzustand; das liegt eindeutig daran, daß alle Leute ihren Ärger an den Telefonhörern auslassen müssen. Ich überzeuge mich, daß die Tür geschlossen und angemessen unter Strom gesetzt wurde (Für den Fall, daß ein mutiger Nutzer es wagen sollte, persönlich zu erscheinen.), und befasse mich dann mit meiner Lektüre. Gewöhnlich ist dies die richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen holländischen Magazinen, die eines Tages unerwartet an den Hintereingang geliefert wurden - und seitdem immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit ersehentlich gebracht werden. Man sollte nicht glauben, daß ein Fehler sich so oft wiederholen kann. Trotzdem, jemand hat mein privates Steckenpferd entdeckt, denn es scheint, als seien den Magazinen Beine gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden Lächeln herumläuft, vermute ich, daß er hinter der Sache steckt. Er wird noch die Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit sich bringt, wenn ich herausgefunden habe, was man mit dem elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in der Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu lesen. Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen ´Bitte schicken sie einen Verkaufsmanager für Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über ihre Leistungen informieren kann´-Coupon im Namen eines Typs aus der Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die Vorfahrt genommen hat, auszufüllen. Dann beginne ich, mich auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener Netzwerk-Magazine zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die Auszeichnung ´Netzwerk-Profi des Jahres´. Ich lache in mich hinein - vermutlich wird irgendein trauriger Anorak den Preis gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als sich mit UTP zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene Dateien auf den PCs der Angestellten zu suchen und wiederherzustellen und der dafür auch noch kaum Lohn und schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter: "... wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im l´Hotel Amassadeur in Südfrankreich". Ah, nun, nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die unbesungenen Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine Argumentation sein, wenn ich den Geschäftsführer dazu zu überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Oben im Büro des Geschäftsführers schaut mich der Chef höchstpersönlich eine Minute lang aus glasigen Augen an. Schließlich schaffen es die Worte, mit einem Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen Netzwerk-Profi des Jahres werden?!" "So ist es. Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma einbringen könnte." "Ich denke an die schlechte Werbung, die sie für die Firma machen könnten." "Das ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste Schimpfwort, welches ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall. "Und das auch noch nach allem, was ich für die Firma getan habe." "Meinen sie nicht, was sie der Firma ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer schaut erst mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für seine Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im letzten Jahr zur Kündigung getrieben!" "Also mußte ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das ist eine sehr anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das demonstriert meine große Flexibilität." "Aber sie sind dafür verantwortlich, daß sie uns verließen!!" "Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote anderer Firmen zu erinnern. Vielleicht sollten sie sich einmal um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne kümmern." schlage ich vielsagend vor. "Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche, die ich zur Zeit habe." Autsch. Das ging unter die Gürtellinie. Na gut ... "Vielleicht wird das Finanzamt etwas über das Geheimkonto herausfinden, daß jemand im Ausland angelegt hat." Der Geschäftsführer wird rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen Tintenlöscher zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und liest weiter. "Und was ist damit", er schreit jetzt beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?" "Ja. Natürlich erwarte ich, daß mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder des Teams sollen schließlich nicht vergessen werden." "Aber er ist ein Psychopath!" "Ach so? Wollen sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von ihnen. Ich für meinen Teil denke, daß das Klima in Südfrankreich Wunder für sein Temperament wirken wird. Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis teilzunehmen, wird bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen Fähigkeiten wirken." "Das wird einen diplomatischen Zwischenfall geben!" Der Geschäftsführer liest weiter. "Kandidaten für die Preise müssen von drei Kollegen vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen." Er unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen solchen Vorschlag unterschreiben würde. Sie werden von allen gehaßt." "Ich kann also an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich die Unterschriften bekomme?" "Wenn sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen. Aber ich sage das nur, weil ich weiß, daß sie niemanden finden werden." Er verläßt den Raum, lacht leise vor sich hin. Ein Wunder? In der Welt der Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer Nutzern erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett gelöscht wurden. Und wer hat behauptet, daß jemand, dessen Unterschrift auf einem Blatt Papier steht, es auch selbst unterschrieben haben muß ... Wird fortgesetzt ... |
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© Simon Travaglia, 29.05.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
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