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| bastard operator from hell | ||
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Der süße Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ...
Es ist ein großartiger Tag in Südfrankreich, insbesondere nachdem mein Zimmer im L´Hotel Ambassadeur irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine Suite mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef sie sich jemals leisten könnte. Die Unterschriften für mein Teilnahmeformular waren kein Problem. Ich wußte doch, daß die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers für irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um meinen Preis entgegenzunehmen. Gut, es gibt noch ein halbes Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle Vorahnung, daß es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben könnte. Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter Entertainer mit billigen Witzen begleitet, treffe ich auf eine recht hübsche Werbefrau, die von den modernen Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint. "Also haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?" "Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können etwas, das so schne ... ähm ... neu und noch in der Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die Benutzer freigeben." "Natürlich. Wie messen sie denn den Datendurchsatz?" "Doom II auf einem halben Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas 45.000 pps." "45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell." Diese Frau aus der Werbung scheint zu wissen, wie schnell ein Netzwerk sein sollte ... Eine geradezu unheimliche Vorstellung. "Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man keine Datenpakete, wenn man jemanden getötet hat, müssen sie wissen." "Ach so. Sie müssen aber ein großes Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI Challenges für ihr Testnetzwerk verwenden." "Nun, also, wissen sie, die werden für das Videokonferenzsystem des Geschäftsführers gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft, das wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des ersten Videokonferenzsystems bekommen haben." "Da gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied." "Nun, wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch viel schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in Amsterdam. "Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt, sie müßten die Taktfrequenz der Challenges prüfen und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu ´Testobjekten´ für ein oder zwei Monate macht." Diese Frau weiß, worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ... "Nun, ja, aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger als ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes Jahr für das Testende sein, schätze ich." "Sie sind ein gerissener Hund!" Sie begreift schnell. Als wir weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein Widerspruch in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum Öffnen überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne weitere Instruktionen zu öffnen ... "Und der Gewinner ist ..." Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der Werbung wieder; tierisch, diese Anziehungskraft, die von mir ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu sein. "Wie haben sie das gemacht? Ich muß zugeben, daß ich nicht damit gerechnet habe, daß gerade sie den Preis bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten zum Management von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der Schiedsrichter irgendwie gehackt?" Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand - niemand mit etwas Selbstachtung würde sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er besäße einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks (von der teuren Sorte, natürlich - ich kenne selbstverständlich bereits das Root-Passwort für das Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des alten Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief Luft und erkläre es ihr. "Nein, ich habe nichts _gehackt_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses schlimme Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all die anderen Sachen mußten mittels anderer Hardware bearbeitet werden, denn sie waren auch nicht über das Hotel-LAN erreichbar." "Mit Hardware?" "Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter haben immer Ärger mit der Technik." "Ach so, _diese_ Hardware." "Genau. Übrigens mußte ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber schieden im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt nicht getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese komischen Polaroids gefunden hätten." "Was, sie haben sich _ALLE_ ein wenig danebenbenommen?" "Zwei von sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so viel Zeit in heißen Ländern auf Netzwerk-Messen und Konferenzen verbringt." "Was ist mit den anderen?" "Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein Unternehmen, das diese Preisverleihung finanziell unterstützt. Und die anderen, nun, einer besitzt nun die Kopie eines Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem unerklärlichen anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung von seinen jetzt ehemaligen Kollegen zurückgenommen." Ich muß den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen - er hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu belästigen. "Interessant. Was steckt hinter der Sache mit dem Fahrzeugbrief?" "Oh, irgend etwas, das mit dem Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und einem bekannten Autoschieber zu tun hat." "Faszinierend. Sie sind wirklich ein Schweinehund!" "Natürlich. Es hat mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden." "Und was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?" "Oh, den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im Empfehlungsschreiben meines Chefs waren einfach schmeichelhafter als die seines Chefs." Zumindest waren sie das, _nachdem_ die Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach Doncaster in der vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten Schiedsrichters wanderte. "Was passiert nun?" "Zurück zur Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des Ansehens der Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, daß die Nutzer während meiner Abwesenheit nicht zu übermütig wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch nach einem Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung." "Was wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten läßt?" "Oh, darüber muß ich mir keine Sorgen machen." "Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen und den Klang ihrer Stimme nicht. "Was würden sie sagen, wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten hätte?" "Ich würde sagen, daß das Diktiergerät in ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat, also haben sie ein leeres Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu sagen, daß in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie waren doch gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche und höre den beruhigenden Klang einer Kassette in einer Plastikhülle. Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für Humor, dreht sich um und verschwindet schmollend. Meine Mutter hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen. |
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© Simon Travaglia, 05.06.1996, Übersetzung: thomas w., 1999. |
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