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| bastard operator from hell | ||
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Auf der Suche nach neuen Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine Karte ...
Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn geht. Deshalb beschließe ich, mich ein wenig umzusehen und eine Arbeitsvermittlung einzuschalten. Meine einzige Befürchtung ist, daß ich tatsächlich einen neuen Arbeitsplatz finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe. Denn das ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur, daß der Chef zusammenzuckt, wenn ich wieder einmal eine Lohnerhöhung fordere. Ich überlege, welche Aussichten ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt mit ein paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der Sorte, die den Lebenslauf erst einmal ´überarbeiten´, bevor sie ihn an einen möglichen Arbeitgeber faxen. Dinge wie ´Ich habe einmal mit DOS gearbeitet´ und ´Ich kann meinen Bildschirm allein einschalten´ werden zu ´Hat DOS neu geschrieben´ und ´Ausführliches Hintergrundwissen zum Hardware-Support´. Ich erwarte das Schlimmste und bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in einem Pub, wo er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, daß er wirklich mein Freund ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem zukünftigen Lohn haben will. "Also", sagt mein ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die Computerbranche wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen also eine Stelle im Netzwerkbereich?" "Ja." "Welche Erfahrungen haben sie?" Ich gebe ihm einen kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre. "Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?" "Wieso?" "Nun, wir haben im Moment ein ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater." "Und meinen sie, daß das etwas mit Netzwerken zu tun hat?" frage ich leicht verärgert. "Also, nicht genau. Am Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben." "Ich bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein Programmspezialist und ganz sicher kein Mensch für den Support." "Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke. Was ist mit VAX/VMS?" (IBM-Großrechner [thomas w.]) "DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?" "Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Großartige Stelle. In Milton Ke ..." "Nein." "Sehr gute Bezahlung ..." "Wenn ich Interesse daran hätte in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch gesagt. Habe ich aber nicht. Ich sagte ´Netzwerke´." "Natürlich haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie interessieren?" "Was für Hardware?" "Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie funktionieren, sind sie mit einem Terminal-Server verbunden, der in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub verlasse. Das Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken. Der Chef spielt inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar Arbeitsvermittler kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz für mich zu finden. Es ist traurig, wie manche Menschen sich der Selbsttäuschung hingeben. Die nächsten Tage verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen: Daten eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht. Schließlich kommt ein Angebot von der letzten Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem Chef Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe mich in die Details und denke über sie nach, als der Chef hereinkommt. "Ich werde es annehmen", sage ich, als der Chef heimlich mitlesen will. "Was annehmen?" fragt er. "Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere ich lächelnd. Er blüht unter dem Druck richtig auf und antwortet: "Und das genau zum richtigen Zeitpunkt!" "Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?" sage ich, um die Spannung ein wenig zu erhöhen. "Nein. Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!" freut er sich und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der Hand. "Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige auf das Fax. "Darauf kann man ja kaum etwas erkennen!" "Muß ich auch nicht", grinst er. "Ich habe die Leute angerufen und die Details überprüft." "Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!" rufe ich. "Die können doch weder eine Stellenanzeige richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi finden." "Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN jemanden für mich gefunden. Mit etwas mehr Erfahrung und er ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt schon am heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!" Der Augenblick, von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen. "Begleiten sie diesen Herrn nach draußen. Lassen sie ihn nichts berühren und lassen sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem Weg nach draußen mit niemandem reden. Und löschen sie seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie seine persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma befindet und händigen sie sie ihm dann aus." Zufrieden mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück in sein Büro. Ich werde auf die Straße begleitet und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel. Ich werfe noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein Arbeitsplatz war und gehe wieder hinein zum Empfang. <Kling!> "Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich wurde gerade als Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten sie bitte meinen Vorgesetzten informieren ..." Ich kann es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen neuen Lohnscheck. Oder die Mitteilung, daß ich als neuer Mitarbeiter erst einmal eine Woche damit verbringen muß, alle Sicherheitsregeln zu lernen. |
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© Simon Travaglia, 12.06.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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