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| bastard operator from hell | ||
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Mit einer Lohnerhöhung in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und schockiert den PJ ...
Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muß ich die Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme daher an einem Sicherheitskurs teil. Es ist die übliche Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt werden, abzuschalten und so weiter - Kinderkram. "Kann mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält ein Stück Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor. "Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert über die bisherige Mitarbeit seines Publikums. "Und was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines Datenkabels von ähnlichem Aussehen hochhält. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal. "Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er. "Doch, wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten Stufe der ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten in die fünfte Etage anbringen." Die Augen des Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht, seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ... Erkenntnis spiegelt sich in seinen Zügen wieder. "Sie haben diesen Kurs schon einmal besucht, oder?" "Nun, natürlich habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht bekommen. Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie die Treppe hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein brachen und ihre Ausbildungserlaubnis verloren. Ich glaube, es war die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt´s?" Er knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins Hospital wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem Unfall, daß meine ´Einstecken und hoffen´-Politik nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme. Sein Aussehen erinnert mich daran, daß ein ´Vergeben und Vergessen´ noch nicht zur Firmenpolitik gehört ... Um auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der Frühstückspause zurück und muß feststellen, daß mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte. Ein schneller prüfender Blick läßt mich erkennen, daß einige wichtige Teile fehlen. Ich schiebe den Stuhl nach hinten und suche mir einen anderen aus. Da ich noch immer allein bin, schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf dessen PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen Folien. Als die anderen zurückkommen, lasse ich mich mit einem lauten ´Plumps´ auf meinen Stuhl fallen. Ich kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im Gesicht unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der sich noch verstärkt, als wir zu seiner Lieblingsfolie kommen. Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in der Nase zu bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg "Nun, vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses. "Und ich kann ihnen versprechen, daß ich diese Folie, die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz besonders beachten werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas ganz anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten sorgsam zu prüfen." Am nächsten Morgen kommt der Abteilungsleiter mit einem besorgten Gesichtsausdruck herein. "Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie." "Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ überrascht und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des schockierten Kollegen ein wenig, muß ich sagen. "Ja, unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, daß sie die Folien für seinen Vortrag verändert haben." "PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ weiter und wird vom Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum Schweigen gebracht. "Nun, ich habe vielleicht ein paar grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe ich zu. "Aber ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation nicht verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm ist, kann er doch seine alte Präsentation mit den Backups wiederherstellen." "Ja, das war auch unser erster Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen störende elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten." Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen. "Und die Backups, die wir außerhalb der Firma aufbewahren?" schlage ich vor. "Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu geben", antwortet der Abteilungsleiter. "Der Inhalt der Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes auf den Hüllen übereinzustimmen." "Nun, der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler", antworte ich. "Es ist möglich, daß das Archiv mit der Präsentation auf einem Band mit einer ähnlichen Prüfsumme zu finden ist." "Und wie viele Bänder müßten wir prüfen?" "Etwa 2000 - sie alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber das ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor, Moment, ja, vor zwei Monaten mitteilte." "Ah, nun, ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal erstellen könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt damit die ganze Sache unter den Teppich und verläßt unser Büro. "Gab es diese Notiz wirklich?" fragt der PJ. "Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung überträgt, mit vielen Fachwörtern am Anfang, um ihn abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, daß die Verantwortung bei ihm liegt." "Und was wird geschehen?" "Oh, die übliche Vertuschung - ein Anruf in ein paar Minuten, um sich zu entschuldigen; dann dürfte bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür da drüben kommen ..." Fünfundzwanzig Minuten später ist meine praktische Demonstration der Gefahren, die von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über die erste Stufe einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen, beendet. Ich greife mir ein Blanko-Formular, das die Teilnahme an der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom Stapel, den die Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche es dem PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt. Die Welt der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance lauern. |
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© Simon Travaglia, 19.06.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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