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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ...

"Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung", ruft der PJ, als er hereinkommt und mit Verschwörermiene auf den Raum mit der Telefonanlage deutet. Ich greife mir den Laptop mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm.
 
Da ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden fallen und unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die der Chef ´zufällig´ im Raum hinterlassen haben könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in den Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) der Vermittlungsanlage schiebe.
 
"Wo liegt das Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers, der von den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu übertönen.
 
"Der Chef hat etwas über die 0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und blickt sich gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame Bestrafung erwartend.
 
Eine kleine Goldgrube, diese Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der Theorie - wir leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der Firma zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für die Arbeit mit Computern gibt, und kassieren dabei als Vermittler kräftig mit.
 
Tips wie: "Ihr Problem scheint eine unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig mögliche Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen. Gehen sie zu einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist beeindruckend, wie viele Anrufe jemand bekommt, der gerade die Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und noch beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben.
 
So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und erkläre ihnen widerwillig, daß wir ihren Service nicht mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein Konto überweisen, daß ich unter dem wenig bekannten Pseudonym ´Verstorben´ angelegt habe. Die Zahl, die sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr Anrufe als erwartet.
 
"Wie konnte der Chef etwas herausfinden?" frage ich.
 
"Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler gemacht und statt einer abgeklemmten Nummer eine noch genutzte eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem Bedauern im Tonfall.
 
Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg, also schlage ich dem PJ vor, daß wir so tun, als ob wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt.
 
Minuten später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was seine Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und landet stattdessen mit einem Fuß auf dem Laptop, der am Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht, den Chef zu bremsen, so daß das Display des Laptops aufspringt, über das er stürzt und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der Telefonvermittlungsanlage rast.
 
Scheußlich.
 
"Autsch", murmelt der PJ. "Ich wette, daß das verdammt schmerzhaft ist."
 
Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung, als er sich langsam aus dem baumelnden Kabelsalat befreit ...
 
"Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt sich mit seinem Taschentuch über das blutige Gesicht.
 
"Wir überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht ziemlich ernst aus", sage ich und verpasse dem Ding einen Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit.
 
Sagte ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der Lüfter, der endlich genug von meinem Kugelschreiber hat, stoppt plötzlich, gibt ein leises ´Klick´ von sich und läuft polternd aus.
 
"VERDAMMTER MIST!" schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV zu übertönen, was angesichts der Tatsache, daß dieser Ruf auch durch die Wände dringen soll, keine schwere Übung für den Chef darstellt - er schreit ja gern.
 
"SCHALTEN SIE U ... m auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die Alarm abschalte.
 
"Da haben wir wohl nicht viel Aussicht auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die zerkleinerten Überreste des Laptops mit der Software in den Händen. Offenbar hat das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel aushalten müssen.
 
"Ich bin untröstlich", sagt er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem Boden liegengelassen ..."
 
Wir schauen den Chef an.
 
"... über das ich stolperte."
 
"Zu spät für dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon den Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat.
 
"Können wir nicht", werfe ich ein. "Die Sicherheitskopien befinden sich auf einer defekten Festplatte, die wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften", füge ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden.
 
"Hu!" murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Das wird nicht gut für ihr Budget aussehen - dieser Totalausfall der Vermittlungstechnik."
 
"EIN KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef.
 
"Nun, sie sagten doch, daß wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch Teile der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen ..." antworte ich.
 
Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen.
 
"In Ordnung. Was wollen sie?"
 
"Ich denke, daß sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist es übelwollend, ich verwechsle das immer.
 
Zehn Minuten später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der Chef angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den Händen.
 
Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo die Temperatur der Anlage sich bedenklich der Ausfalltemperatur genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist, die elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ...
 
Es ist doch lustig, daß sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln, oder?


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 26.06.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.