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| bastard operator from hell | ||
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Ein erhitzter Wortwechsel mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur im gesamten Gebäude ...
An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in unser Büro zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an meine Anweisungen gehalten. "Wirklich ein perfekter, handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer Sicherung, um eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller Zufriedenheit über die Perfektion meines Planes. "Aber wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der PJ. Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle, schüttele ich den Kopf über diese Frage. "Was passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn. "Es wird heiß?" rät er. "Korrekt. Und die Klimaanlage tut was?" "Sie fällt aus." "Und wir müssen was tun?" frage ich. "Wir sitzen den ganzen Tag im Vermittlungsraum." "Richtig. Nehmen sie den regelbaren Transformator und kommen sie in den Vermittlungsraum." Er folgt meiner Anweisung, so daß ich wenig später den Transformator auf 5 Volt einstellen und den Kocher anschließen kann, den ich unter dem Gitter eines Fußbodenventilators der Klimaanlage versteckt habe. "Ihre Aufgabe besteht, sofern sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine andere Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, daß diesen Kocher immer schön versteckt bleibt. Darüber hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator pro Tag um 5 Volt." Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne dessen Umhüllung. "Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die Justierschraube entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch Fragen?" "Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt erreicht?" "Ich wette zwanzig Pfund, daß am Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden." "Glauben sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld. "Und denken sie daran, daß immer Wasser in dem Kocher sein muß" erinnere ich ihn, denn ich weiß ja, wie vergeßlich er sein kann. Nun, die Wette kommt zustande, und ich befasse mich für ein paar Tage mit dem Testen der Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe, die Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an und informiere ihn über die Probleme mit der Klimaanlage im Vermittlungsraum. Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald und schaut sich neugierig um. Er betastet die Thermostate ein wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu prüfen. Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er einen Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, daß unsere Messungen korrekt sind. "Sie brauchen eine neue Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage, die sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein." "Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer erklärt", ergänze ich. "Aber er hat sich nicht darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist." Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, daß zwischen uns der Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, daß etwas an der Sache faul ist, kann es aber nicht herausfinden, obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu überführen - ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um die Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang, mich zu entlarven. "Ja, dann müssen wir eben eine neue Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und entdeckt den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es denn hier?" fragt er und deutet auf die Wand zwischen dem Vermittlungsraum und unserem Netzwerkkontrollraum. "Keine gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher würde den Raum dahinter in eine Sauna verwandeln." "Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben", antwortet der Chef selbstgefällig. "Wie wäre es hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen zwei Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand. "Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da stehen schon zu viele Einheiten. Wenn wir eine weitere hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit der Decke." Etwas sagt mir, daß er diesmal seine Hausaufgaben gemacht hat. "Also nehmen wir diese Wand", lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf einen Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ liegt. Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände. Zwei Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig ungemütlich, erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben hat, unsere Fenster dauerhaft zu verriegeln. In der Folgezeit geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht einen neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich vorbei, um durch das doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und hämisch zu grinsen. Bis heute - heute ist der Tag der Vergeltung. Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu vollenden. Vollendung heißt nichts anderes, als daß wir die neue Einheit der Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschließen, so daß wir endlich eine funktionierende Klimaanlage bekommen. "Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ. "Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das", antworte ich, um ihn zu beruhigen. "Aber wenn er draußen vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers bemerken." "Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen." "Das wird ihn nicht täuschen!" "Ich bin ganz sicher, daß es klappt - neulich hat er herausgefunden, daß ich die Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise hat der ´Shredder´ automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über die horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können wirklich grausam und verantwortungslos sein." "Was hat der Chef getan, als er es herausfand?" "Was denken sie denn? Zugeben, daß wir ihn zum Gespött der Leute gemacht haben? Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für sie." "Worum geht es?" "Machen sie ihre Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes ´Fax´." "Sie Hund!" "Durch und durch, immer auf der Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..." |
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© Simon Travaglia, 03.07.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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