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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef verursachte ...

Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH unglücklich.
 
Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß er ohne nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt.
 
Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein wenig verdächtig.
 
Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme hat, unverletzt durch lange Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft bilden, diesen Rabatt auszuhandeln.
 
Nun, wir werden sehen.
 
Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro gefunden zu haben, was ich bezweifle.
 
Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret ausgehandelt hat.
 
"Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist und mich fröhlich angrinst.
 
"Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!"
 
"Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird.
 
"Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen tun können."
 
Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich mit verbundenen Augen unterzeichnet hat.
 
"Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der Ahnungslosigkeit vor.
 
"Ja?"
 
"Sie wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?"
 
"Natürlich."
 
"Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz abgesehen von 20 Jahren!"
 
Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam.
 
"Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist.
 
"Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine von IBM im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?"
 
"Um Lochkarten herzustellen?"
 
"Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..."
 
"Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer.
 
"Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!"
 
"Ich weiß nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter.
 
Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag.
 
"Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben, der besagt, daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag unterschrieben?!"
 
"Welche Erlaubnis?"
 
"IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN, WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe.
 
Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten Haftungsausschluß gegeben, oder?"
 
"Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller Entscheidungsträger.
 
"Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluß verursacht und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört deren Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf."
 
"Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht habe, weil ein Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch bezahlen mußte."
 
"Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie wirklich in den Ruin treiben."
 
Zwei Wochen später kommt der Techniker von der ´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft.
 
Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf, wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt selbstgefällig und schließt das Gehäuse wieder.
 
In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, daß er nicht bemerkt, wie der PJ ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet.
 
Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors. Bis sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´ unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln explodiert.
 
Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf. Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ...
 
Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag, den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 10.07.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.