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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. zeigt, daß Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...

"Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die Freisprechanlage.
 
Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR: Virtual Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden.
 
Die Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der Erbsenzählerzentrale kommt.
 
"Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich.
 
"Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen."
 
Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT 1024K" und deutet auf die Paket-Filter Software.
 
Langsam wird er richtig gut.
 
"Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch floureszierende Niedrigspannungslampen."
 
"Wie bitte?"
 
"Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf."
 
<DUMMY MODE EIN>
 
[Aus dem Bastard-Wörterbuch:
 
DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.]
 
"Oh. Und was kann man da tun?"
 
[Habe ich es nicht gesagt?]
 
"Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt offenbar ständig diese Ströme. Wie groß ist denn die Datei, die sie brauchen?"
 
"Etwa 1.6 Megabyte."
 
Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGABYTE" und gebe ihn ihm zurück.
 
"Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger Spannung betrieben werden?"
 
"Ich habe keine Ahnung."
 
"Nun, sie müßten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in Anzeigen oder Displays findet."
 
"DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades gefunden hat, auf den ich ihn schickte.
 
"Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so schnell neu verlegen. Ich bedaure ..."
 
"Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?"
 
"Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten."
 
"Oh?"
 
"Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen."
 
"Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen."
 
Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch 50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen.
 
"Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein Vertrauen mehr ...
 
"10 Pfund?" frage ich.
 
"Es ist ihr Geld", sagt er, naiv an leichtverdientes Geld denkend.
 
Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen 10 Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, daß die Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel nicht mehr stören.
 
"Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung bei.
 
Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose Infrarot-LAN-Sender und -empfänger´ (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich verteile noch ein paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit beschäftigt.
 
Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt.
 
"Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers."
 
Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es losgehen.
 
"Laßt das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus.
 
"Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!"
 
Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen.
 
Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen lassen.
 
Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat.
 
"Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert.
 
Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ...
 
Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 17.07.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.