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| bastard operator from hell | ||
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Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch, astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...
Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die letzten beiden Monate abgegeben habe. Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier muß ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß jemand herausfindet, wieviel ich wirklich ausgebe. Wenn ich wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen Spesenabrechnungen liest, würde ich in Großbuchstaben ´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek und Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung. Es ist schließlich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht! Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten. "Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heißen?" fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek und Brohrl?" "Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh! Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!" "Und Brohrl?" "Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!" "Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??" "Könnte schon sein. Es war außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ... Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr großes Steak ... " Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen, später ... "Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?" "Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ... sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß wirklich nicht, was es sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam servieren?" Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann ohne Probleme mein ´Briek und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´ lesen, übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war! Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß diese Entwicklung alles andere als positiv ist. Zum Glück glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der Technik die Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße zu variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die vorschreibt, daß Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen). Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe meiner Buchstaben, die der Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal auch 1600 ... Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ... "Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler. "Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit. "Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?" "Ja. Das müßte stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort Kalbfleisch." "Hä?" "Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´ versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische Korrektheit besonders großen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet. "Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös. "Es gab eine Salattheke und Weintrauben." "Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks." "Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier können sie das S erkennen." "Es ist ein Fleck!" "Nein, es heißt wirklich Steak Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das Formular paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen." "Warum haben sie keine Tastatur benutzt?" "Was? Um RSI [Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´] zu riskieren?" Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach die Einzelposten zusammen. "Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas." "Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?" "Das steht für ... Rindfleisch und Chips." "Sie hatten zwei Schüsseln davon." "Natürlich, ich muß auf Proteine achten!" Es ist ein Hundeleben, wirklich ... |
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© Simon Travaglia, 24.07.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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