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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...
Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand außer uns ist im Raum, also gehe ich ans Telefon. "Hallo." "Ist dort der Computerraum?" "Ja ..." "Sind sie der Systembetreuer?" Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine Zeugen. "... Ja ..." "Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver." "Wirklich? Wie kommen sie darauf?" "Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam." "Welche Updates?" "Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit 1991 durch große Buchstaben zu ersetzen." "Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken erledigt ist?" "Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?" "Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt." "Wirklich?" "Ja, und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen." "Wieso?" "Weil ich die Server dann abschalte." Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um noch etwas zu bewirken ... Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische ´Reparatur´ folgen wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und macht sich Notizen. "Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will. Noch ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet. "Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt. "Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück. "Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!" Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er nichts, so daß er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß er nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die Konsolen wieder an den Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert. Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad gehört. Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem Hörer. "Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer. "Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf. "Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach nicht!" "Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle." >DUMMY MODE EIN< "Hä?" "Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag zur Ausführung von SQL-Anweisungen." "Ah ... Oh, ja, hier ist er!" "Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem ´SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes´ steht." "Ja, das steht da." "Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht." "Gut, jetzt steht nur noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein Komma und HR_NAME da." "Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen. Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die Kommas jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile stehen. Nun müssen sie noch die ´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu beseitigen." "Aber ich kenne das Passwort doch nicht!" "Natürlich kenne sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?" "Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er speziellen Rechte hat, um ..." "Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..." "Oh ... >Klick. Klick. Klick.< ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!" "Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen sie nicht, ihren Chef über die ´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren." "Mache ich. Vielen Dank!" "Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich." Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder. "Computerraum ..." seufze ich. "Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei die Hälfte der Einträge verschwunden!" "Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran." "Oh. Gut, und läuft es jetzt?" "Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..." "Großartig!" "... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute fünf Pfund." "Was?!" "Pro Anfrage!" "Sie machen Witze!" "Pro Minute." "Das können sie nicht tun!" "Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen." Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie der Kaffee heute schmeckt. "Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern. "Was?" "Pro Anfrage und pro Minute." Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre Hände zu bekommen. Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ... |
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© Simon Travaglia, 21.08.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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