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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ...

"Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander, wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!"
 
"Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?"
 
"Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd. "Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..."
 
Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist.
 
Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten.
 
"Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten, selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat, aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?"
 
Leider ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die volle Kontrolle habe.
 
"Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?"
 
"Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..."
 
"Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen.
 
"16 Megabyte."
 
"LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32, einige haben sogar 64!"
 
"SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?"
 
"Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´ mit Werkzeug.
 
Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß ich mich melde.
 
"Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme.
 
"Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit.
 
"Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei. Jemand hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit einem ´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu denn benutzen?"
 
"Sie haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich.
 
"Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er.
 
"Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt ´Papierkorb´."
 
"Aber kann man damit nicht Dateien löschen?"
 
"Nein, dafür ist die ´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den ´Papierkorb´-Ordner und wählen sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der Komprimierer die Dateien komprimiert."
 
"Wirklich?"
 
"Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers gewinnen."
 
Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung ´komprimieren´ und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern, schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein.
 
In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und die Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend die noch gespeicherten Nummern löscht.
 
Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an.
 
"Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer.
 
"Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge der verkäuflichen Hardware in meiner ´Brotbüchse´ nimmt schnell zu.
 
"Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine Musik-CDs mehr." heult der Anrufer.
 
"Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse", antworte ich. Ich weiß natürlich, daß diese Problem auf der ersten Seite des Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher?
 
"Was kann ich nur tun?"
 
"Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich.
 
"Äh ... nein", kommt die Antwort.
 
>DUMMY MODE EIN<
 
"In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren."
 
"Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?"
 
"Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen sie diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es."
 
"Aber wie kann ich merken, daß alles fertig ist?"
 
"Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die Reinigung abgeschlossen."
 
"Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf.
 
...
 
Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.09.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.