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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. und der PJ breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land aus ...
Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat schließlich dem Plan zugestimmt, Zugangsprovider für das Internet in allen Städten zu werden, in denen wir Außenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu senken. Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für die nächsten Wochen bedeutet es, daß der PJ und ich unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten damit zubringen werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um sie idiotensicher einzurichten. Der Ursprung für die Idee der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger zurück. Damals hat der Geschäftsführer all die schöne Videokonferenzsoftware, die es für das Internet gibt, gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen des letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen Videokonferenzsystems schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig in allen Außenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, daß die Software-Clients natürlich über eine eigene Bediensoftware verfügen ... Als ich seine Unterschrift hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und kündigte den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen, das noch immer nicht weiß, auf welcher Seite es die Datenautobahn befahren soll und annimmt, daß das World Wide Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat. Natürlich haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, daß sie den Hohlraum in ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als wir anriefen, um ihnen mitzuteilen, daß IHR Router WIEDER abgestürzt war, wußten wir, daß das Ende nah ist. Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer unserer Außenstellen in Schottland zu verbringen. Da das Appartement, das der Firma gehört, für einen Mr. Babbage reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch das walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muß der PJ in einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage ist auch dafür verantwortlich, daß ich die vergangene Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer habe ich wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen - durch ein zufälliges Zusammentreffen glücklicher Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den Öffnungszeiten der Hotelbar zusammen. Das war wirklich reiner Zufall, mußte ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei Tage später über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig ehrlich kann ich sagen, daß ich WIRKLICH keine Erinnerung daran mehr habe, diese Bar jemals betreten zu haben. Wie auch immer, um dem Chef zu demonstrieren, daß unsere Bemühungen erfolgreich sind, erkläre ich ihm, daß eine Firma von der anderen Straßenseite (und nur einen kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt) sich dafür interessiert, durch uns an das Internet angebunden zu werden. Ich rechne ihm die zusätzlichen Profite vor, die wir dadurch erzielen können. Aufmerksam betrachtet der Chef das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet, und die vier USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück in unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair, schlagt es nach.) und daß sie an einen unserer Netzknoten angeschlossen sind. Er begreift sofort, daß die Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen eine Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Daß die andere Firma auch für unseren Service zahlt, läßt ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke. Er ist natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese Internet-Geschichte verbraucht eine Menge Strom", stellt der Netzwerk-Experte (´ex´ steht dabei für ´ehemalig´) unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes ist geradezu explosionsartig gestiegen!" "Nun, das ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen sich einmal vorstellen, daß sie nun ihre Daten über die gesamte Welt verbreiten können und nicht nur in EIN anderes Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre Rechnung wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz verbunden wären!" "Oh!" murmelt er. "Von dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet." "Und denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen oder senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?" "Oh", nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die Arbeit. Obwohl wir manchmal auch Pausen machen." "Eben. Wir können ihren Anschluß ebenfalls schneller machen", sage ich. "Aber das würde bedeuten, daß wir noch ein paar Kabel verlegen müßten, was natürlich den Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen redundanten Server bei uns aufstellen. Aber die Stromrechnung müssen freilich sie bezahlen." "Nun, die Chefs wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene Homepage fertigstellen ..." Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als würde man auf einen Fisch in einer Sardinenbüchse schießen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd. Um meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische Außenstelle an, um die Vorbereitungen für die nächste Woche zu treffen. "Hallo? Ich möchte das Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus London. Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet." Der PJ ist verdammt gut. |
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© Simon Travaglia, 11.09.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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