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| bastard operator from hell | ||
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Reisen, Flugzeuge und ein Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak sicher zur Erde ...
Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, daß ich eine Woche an der Ostküste der USA zubringe, um die letzten Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen. Natürlich lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch es ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen, als nur seine Abbildung. Eigentlich ist es viel wichtiger, eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten ATM-Switch; man muß schließlich wissen, wo man die Prioritäten zu setzen hat. Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu sehen, kann ich mich auch in unseren Vermittlungsraum setzen, statt durch eine schweißtreibende Ausstellungshalle zu pilgern. Der Flug über den Atlantik ist großartig. Die Sitze sind hervorragend, der Lachs war allerdings ein wenig zu kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse - mein ´Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy´-Sitz wurde mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor vertauscht ... nun, das ist natürlich auch ein ziemlich protziger Name. Ich schätze, daß jetzt jemand, der wichtig ist, hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig aussehende Männer in schwarzen Anzügen diskutieren mit den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches Zeug; ich muß mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte Schalldämmung in der ersten Klasse beschweren - es ist wirklich recht laut. "Entschuldigen sie, welchen Prozessor haben sie?" Mein durch Brandy beförderter Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen. "Entschuldigung?" "Welchen Prozessor haben sie in ihrem Laptop? Ich habe einen 133 Megahertz-Pentium." Großartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus, den man spätestens an der übernächsten Station rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar im Flugzeug. "Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte." Nur eine kleine Übertreibung - ich fange lieber freundlich an. "Wirklich? Ich wußte nicht, daß Windows auf SPARC läuft." "Tut es auch nicht." "Welches Betriebssystem nutzen sie denn?" "Solaris 2.7." "Wow! Sie müssen ein echter Profi sein." "Ja. Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie haben Windows 95?" "Ja." "Nun, sie müssen ein wirklich armes Schwein sein." Er lächelt unsicher, versucht, sich zu beweisen, daß ich nur scherze. Es wird Zeit, dieses Mißverständnis aufzuklären. "Wissen sie, daß sie dieses Modell durch einen einfachen Hardware-Trick beschleunigen können?" "Nein! Wirklich? Wie geht das?" "Naja, eigentlich sollte ich das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es könnte gegen die Garantiebestimmungen verstoßen." "Das ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es einigermaßen sicher funktioniert. Was muß ich tun?" "Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht auch ein kurzes Kabelstück." "Ja, hier habe ich eine Klammer. Und was muß ich nun tun?" "Nun, sie können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende Spannung etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so daß sie die Rückseite sehen, und verbinden sie einfach diesen Pin des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluß." Er fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die Büroklammer richtig zu plazieren. Kein blauer Dunst ... noch nicht. "Und jetzt?" "Jetzt haben sie einen Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie müssen das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom aus den Akkus fressen. Beschleunigen sie den Rechner nur dann, wenn sie es wirklich brauchen." "Wie kann ich ihn denn nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?" "Spielen sie einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich ein kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den dann auch der SCSI-Bus beschleunigt wird. Aber drehen sie die Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte etwas zerstört werden; ´Dark Side of the Moon´ von Pink Floyd dürfte ausreichen; aber achten sie auf die Wecker." "Hmmm ... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das Mikrophon benutzen?" "Natürlich - schalten sie es einfach auf ´Wiedergabe´ und sprechen sie hinein, wenn sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig! Schreien sie nicht zu laut." Fünfzehn Minuten vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen. Mein Freund hat herausgefunden, daß der einfachste Weg, um Geräusche zu erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es sieht so aus, als sei sein Laptop gegen Spannungen widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum Glück naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig zu sein scheint. "HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit er. Prompt tut auch die Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ... Es ist interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind - der Feueralarm geht etwas entfernt von uns los. "Ich schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle ich süß, als die Stewardess kommt, um die Streithähne, die handgreiflich werden, voneinander zu trennen. Bald sind die Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder unter der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich wieder wunderbare Ruhe. "Entschuldigen sie bitte die Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?" |
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© Simon Travaglia, 18.09.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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