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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Aus Angst vor einem Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert sich der B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ...

Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als der PJ hereinkommt.
 
"Wer ist das?" fragt er und deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro zu sehen ist.
 
Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann fällt der Groschen ...
 
"Irgendwer aus der Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen immer freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die Zufriedenstellung der Kunden kümmern, wenn ich mich richtig erinnere."
 
"Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie erwartet!"
 
"Ja. Genau das könnte das Problem sein ..."
 
"Der Chef ist ein wenig zu freundlich", beobachtet der PJ, als der Chef Mr. Freundlich begrüßt.
 
"Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich sagen, daß da irgendwas von oben kommt ..."
 
Zwei Stunden später kommt der PJ hereingerannt.
 
"Es gibt etwas, das sie wissen sollten", sagt er.
 
"Was? Sie haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?"
 
"Nein, ich habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät hat freilich hervorragende aurale Fähigkeiten."
 
"Wie ein Mikrophon?"
 
"Ummm ...."
 
"In Ordnung, worum geht es?" unterbreche ich ihn.
 
"Sie planen einen Abteilungsausflug!" platzt er heraus.
 
"Einen verdammten was?!" rufe ich und verliere für einen Moment meine Gelassenheit.
 
"Einen Abteilungsausflug. Ganz so schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen.
 
"Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle zusammen mit Leuten, die glauben, ein Benchmark kommt davon, daß man die Untertasse beim Kaffe vergißt?"
 
"Uuuuhh ..."
 
"Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag und Nacht mit dummen Fragen nerven, zum Beispiel: ´Wie erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?´"
 
"Wie erfüllen wir sie?"
 
"Tun wir nicht. Die plötzliche Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes und dokumentiertes Phänomen."
 
"Was werden wir tun?"
 
"Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Maßnahmen, die ´Vertrauen´ bilden sollen, indem sie sich rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen, die Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu erkälten."
 
"Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht - zumindest hängen die Bonus-Zahlungen von der Teilnahme ab."
 
"Dieser betrügerischen Hunde!"
 
"Was werden wir machen?" fragt der PJ.
 
"Nun, beginnen wir mit dem Anfang  - wann soll das Ganze denn stattfinden?"
 
"Sonnabend in drei Wochen."
 
Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um einen Schlachtplan auszutüfteln, der so fies ist, daß selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten Tag sind wir dann die ersten, die voller Begeisterung ihre Teilnahme melden. Den Chef scheint das so aufzuregen, daß er vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten aufreißt.
 
Der PJ sorgt dafür, daß die Faxe abgefangen werden. Er bestellt statt der geplanten 45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das geplante Menü durch Alkohol und bestellt anstelle einer Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte Cabaret-Truppe aus Soho ... 
 
Ich leihe mir die Kreditkarte von Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im Besucherraum eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit neuen Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und kurbele dann die Gerüchteküche etwas an, indem ich leere Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in seinem Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines Laptops gegen eines, daß nicht funktioniert.
 
Am nächten Tag beginnt unser Angriff ...
 
"Irgendetwas scheint mit dem Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir und macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich hat es seiner Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von einem stämmigen Mechaniker eingesperrt zu werden, um auf die Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten.
 
Der PJ gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt Mr. Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch.
 
"Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen doch nicht etwa einen Spannungsverstärker gegeben! Wissen sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis wir ihren Laptop repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95 eigentlich genügen."
 
"Das mit der neuen Infrarot-Maus?!" fragt der PJ.
 
Am nächsten Tag bekommt auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die Erbsenzähler wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die Gerüchte sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas von der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in sein Büro.
 
"Haben sie etwas damit zu tun?" will er wissen.
 
Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe.
 
"Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich habe die Gerüchte gehört und denke, daß er möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist zu fördern."
 
Die Saat der Zweifels ist nun angelgt, und ich warte darauf, daß der PJ noch für ein wenig Dünger und Wasser sorgt ...
 
"Ist das nur mein Eindruck, oder ist es hier etwas zu heiß?" stellt er die richtige Frage.
 
"Ja, es ist wirklich etwas warm", antworte ich.
 
Der Chef greift zu seinem neuesten Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die Klimaanlage, und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen seltsamen Zufall führt dies dazu, daß der Rechner von Mr. Freundlich nun schon zum dritten Mal an diesem Morgen abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich wütend den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt, seine Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen.
 
Zehn Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude begleitet, und die Pläne zur Förderung des Teamgeistes sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie auch hin.
 
Und da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 25.09.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.