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| bastard operator from hell | ||
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Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ...
"Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster hinausgeworfen. Und das macht dann zwei Punkte für mich." freut sich der PJ und fügt zwei weitere Häkchen zu seiner Liste hinzu. Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer die meiste Technik innerhalb einer Woche vernichten kann, wirklich ein wenig kindisch, aber Probieren geht über Studieren und so ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten Ausbildung vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den üblichen Einsatz - ein Bier in der Kneipe um die Ecke. "Was haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse. "Ich habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem habe etwas mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der Ausredenkalender hat mich dazu inspiriert, und ich habe die Idee etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die Spannung in seinem Büro sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..." "Seinen PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt. "Habe ich etwas falsch gemacht?" will er wissen. "Nicht direkt. Aber denken sie immer daran, daß es nicht unsere Aufgabe ist, Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken. Das ist eher ein Bonus für uns, die wir selbstlos unser Leben der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere Aufgabe ist es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren." "Indem wir Netzwerknutzer ausschalten." "Zeigen sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk zeigen, das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte ich. "Aber sie sorgen doch ständig für solche Kollisionen!" "Und ich widme mich immer der Erweiterung der Leistungsfähigkeit unseres Netzwerks." "Und nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht der PJ mich. "Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung. Ich bevorzuge nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein zufriedener Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein sicherer Angestellter ist ein guter Angestellter. So habe ich in der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das zeigte, was am vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen der Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag mit Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener Angestellter und habe einen Router in Rekordzeit konfiguriert. Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken befaßt, dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..." "Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine über die Monitore, die eigentlich die Aktienkurse der Firma zeigen, geschickt?" "Ausschließlich zum Wohle der Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es gefiel. Sie waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre Produktivität gesteigert." "Und die drei Beteiligten?" "Nun, die waren nicht so fröhlich und haben kurz danach gekündigt. Aber das beweist nur noch einmal, daß in unserer Firma nur Platz für fröhliche und produktive Menschen ist." "Gut, aber sie liegen noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet auf die Liste mit den Punkten. "Wie sieht es denn aus?" Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann: "Vierzig zu neun - für mich." "Also jage ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher." "Nein, 31!" korrigiert er. "Ah, nein, 26", wiederhole ich und schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse ihn auf den Boden knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum. "Das war nicht fair!" ruft er. "Das Leben ist nicht fair." antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich." Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, daß ich wirklich weit zurückliege, was mir nicht gefällt. Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muß ich ein "Radler" bestellen, was der PJ normalerweise nicht trinkt, doch diesmal wird er es tun, um mich dumm vor den Leuten an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen. Völlig mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen und nehme den Anruf eines Nutzers entgegen. "Hallo?" fragt eine nervöse Stimme. "Womit glauben sie ein Problem zu haben?" frage ich. "Es sind ihre Rechner. Sie stehen alle." "Ja, das wird am Spannungsverlust liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen verursacht wird." >DUMMY MODE EIN< "Ah, ähm, wie ... Was soll ich tun?" "Nun, da rufen sie einfach die Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage kontrollieren und zurücksetzen müssen." "Aber wir haben dringende Arbeiten!" "Nun, vielleicht sollte ich das jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich. "Was?" fragt er und zappelt schon am Haken. "Sie können die beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren." "Wie?" drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die neuen Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen kann. "Gehen sie einfach zum Hauptanschluß ihrer Etage, den sie im Treppenhaus finden. Dort finden sie einen Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr Hauptanschluß. Diesen Schalter betätigen sie ungefähr zwanzigmal so schnell wie sie können." Der PJ schaut mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später wird offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch 2 Punkte hinter ihm. Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr, als der PJ mich zur nächsten U-Bahn-Station begleitet. "Einige Leute können es eben und andere nicht", lacht er selbstgefällig. Seine gute Laune ist durch nichts zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück nur solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop auf die Schienen stoße. "Ups!" sage ich, als ich die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ... Ich schätze, sie schulden mir ein Bier ..." "Sie BASTARD!" sagt er, als der süße Geschmack des Sieges sich in Wohlgefallen auflöst. "Zählen sie es zu den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und ich hoffe, daß Bier für Schlappschwänze wird ihnen schmecken ..." |
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© Simon Travaglia, 09.10.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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