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| bastard operator from hell | ||
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Der Kampfgeist des B.O.F.H. erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker intrigieren ...
Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem hinterhältigen und unfairen Angriff haben die Erbsenzähler voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl durchgeführt - unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und über Nacht geraubt. "Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig aufgelöst. Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche tätig bin, weiß ich, wie wichtig Sicherheitskopien sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung Instantpulver hervor. "DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie", schnieft der PJ, als er langsam wieder zu Bewußtsein kommt. "Ich kann einfach nicht glauben, daß sie das wirklich getan haben!" "Warum denn nicht?" antworte ich. "Schließlich befinden wir uns inmitten eines wunderschönen Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer etwas von gemeinsamen Zielen erzählt." "Aber die Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was werden wir tun? Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!! Überall Einen Ausbau der ´RAM-Speicher´ vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?" Ich schüttle nur den Kopf. "Nein, denn genau das erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine Netzverbindung unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für die Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen." "Nun, was werden wir dann unternehmen?" "Für den Augenblick - nichts." "Aber ..." "... aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt." Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und der PJ zeigt ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu handeln. "Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe ich. "Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie haben das Passwort geändert!" antwortet der PJ. Im Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler ein, versuche ein paar mögliche Passwörter und lande mit ´PROFIT´ einen Treffer. Die Datenbank verbirgt ein einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, daß selbst Kinder es verstehen könnten. Das bedeutet, es ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Ich nehme ein paar kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann die Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, daß er einen anonymen Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt. Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon frühzeitig da, um ein paar verschlafene Manager die Rolltreppe reiten zu sehen. Einen Doppelklick auf einen Button der Rolltreppensteuersoftware später führt die Rolltreppe einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer und Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die blutenden Nasen werden für eine unvoreingenomme Prüfung sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später garantiert ein uns genehmes Ergebnis. Da sie nun aus Angst keine weitere Rolltreppe benutzen wollen, machen die Buchprüfer und Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie die Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer Lift-Joystick angeschlossen und funktioniert tadellos, so daß sie ein Abenteuer erleben, das man normalerweise in Zusammenhang mit Achterbahnen bringt. Die Überreste eines Frühstücks auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel an der Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der Buchprüfer würde der normale Betrachter der Bilder, die die Videoüberwachungsanlage liefert, nun wohl als ´aggressiv´ bezeichnen. Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in die Erbsenzählerzentrale, um ´ein paar Netzwerkprobleme zu beseitigen´. "Das ist der Bastard!" schreit ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich. "Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig. "Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!" "Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefaßt, seitdem diese Abteilung vor sechs Monaten den neuen Wartungsvertrag abgelehnt hat!" "Das haben wir ganz sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler aufgeregt und verläßt die relative Sicherheit seines Büros. "Also ... irgendjemand hat es getan", sagt der erste Prüfer und trennt seinen Blick von den Ausdrucken mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ... einen Clinton Ash." "C. ASH", murmle ich leise. "Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren doch gerade vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den Erbsenzählerchef. "Haben sie den Scheck mit der Post geschickt oder persönlich überbracht?" Der Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner Überraschung) und schätzt die für ihn bedrohliche Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich herauszufordern, denn er weiß nicht, welche Überraschungen ich noch für ihn vorbereitet habe ... "Ach so, Ash und Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für Service und Wartung." "Natürlich!" lache ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?" "... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und begreift, in welche Richtung dieser Dialog geht. "Hat nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro zu installieren?" "... Jjjjaaa, das hätte ich beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag persönlich überprüfen." "Warum warten?" frage ich und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an. Möglicherweise haben die Leute es ja vergessen." Diesen Nachmittag verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung entspannt darüber nachdenkend, daß es schon ein Glücksfall ist, daß unsere alte Espresso-Maschine nun durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt wurde. "Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ nachdenklich zu. "Betrachten sie es nicht als Lernaufwand", sage ich. "sondern als Aufgabe, das Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen ..." |
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© Simon Travaglia, 16.10.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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