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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Als sein Chef Probleme mit Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch Mühen, um die Schwierigkeiten auszuräumen ...

Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer Zulieferer für Netzwerkkabel, zu machen. Er soll uns Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiß, daß er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig hat ... Was natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft trat, als ich den Geheimcode ´der Chef will´ benutzte. Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich brüderlich teilen.
 
Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte er es noch nie, trotzdem er befohlen hat, daß solche Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt werden, damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war die Idee, ein paar aufpolierte Büros im Alleingang zu verkabeln.
 
"Nun, das könnte schwierig werden", sagt mein Lieferant am anderen Ende der Leitung. "Natürlich habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die doppelte Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute ausgeliefert. Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten probiert?"
 
Der Mann ist aalglatt ...
 
"Selbstverständlich, aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich.
 
"Sie scherzen!" keucht er recht überzeugend.
 
"Es scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft - für die nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie sicher, daß sie nichts für mich tun können?"
 
"Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes Kabel da, das nach Cat-5 aussieht, aber darauf sind ein paar fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen, die mit den unseren nicht übereinstimmen."
 
"Wir nehmen es! Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef.
 
"Warten sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell die Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es nicht besser, zunächst herauszufinden, was diese Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte sich schließlich auch um ein simples Telefonkabel handeln."
 
"Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, daß die neuen Büros in drei Tagen voll funktionstüchtig sind!" ruft der Chef und eilt nach draußen, um die Leute, die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln.
 
Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab.
 
"Was bekommen wir wirklich?" frage ich.
 
"Ich bin mir wirklich nicht sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen rumänischen Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des Kupfers bezahlt."
 
"Aber es wird Signale übertragen?"
 
"Natürlich."
 
"Wirklich?"
 
"Nun, kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche Verflechtung der einzelnen Drähte - ich würde es mir zweimal überlegen, ob ich es für die Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist ihre Entscheidung."
 
"Warum haben sie gesagt, es sieht wie Cat-5 aus?" will ich wissen.
 
"Nun, die Ummantelung sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln geliefert." antwortet er.
 
"Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit leicht versinkenden Transportmitteln?"
 
"Ich habe nicht gesagt, daß es exakt so aussieht wie Cat-5!"
 
"Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später voneinander."
 
Später an diesem Nachmittag werde ich vom Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt zu sein scheint.
 
"Dieses verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er.
 
"Nun, ich habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und deute auf die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich leuchten sollte. "Das erinnert mich daran, daß ich dieses kleine Lämpchen reparieren muß."
 
Der Chef sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder fünf Profis für das Verkablen, die jetzt sinnlos herumstehen und trotzdem kräftig dafür kassieren werden. Hinzu kommt noch, daß er gutes Geld für falsches Kabel ausgegeben hat.
 
Als wohlwollender Mensch beschließe ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an.
 
"Raoul, was müßten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich.
 
"Ich habe doch schon gesagt, daß ich kein Kab ..."
 
"Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders: Was müßten wir für das Kabel eines anderen bezahlen?"
 
Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung seines Problems nahe zu sein scheint. Raoul nennt eine widerlich hohe Summe, doch der Chef nickt ohne nachzudenken.
 
"Allerdings wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäß hinzu. "Sie müssen es selbst abholen."
 
"Nein, kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen Zweisitzer."
 
"NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef, der seine Felle wieder davonschwimmen sieht.
 
Eine halbe Stunde später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern unseres Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich übernehmen, denn der PJ hat mittlerweile zugegeben, daß er erst zwei Fahrstunden hatte.
 
Ich bin sicher, daß man alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren hinterließen) leicht wieder ausbeulen kann.
 
Ich verabschiede mich von Raoul und lasse ihn meine Massenbestellung von Cat-5-Kabel stornieren, die zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen geführt hat.
 
Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so erfreut, daß er die Überreste des Kühlers, die die drei Parkuhren übrigließen, nicht einmal erwähnt. Er schickt die Kabelleute wieder an die Arbeit.
 
"Richtig ...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben in dem Auto."
 
"Dieses Zeug!" fragt einer von ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische Beschriftung aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für ein paar Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 23.10.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.