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| bastard operator from hell | ||
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Wichtigste Regel beim Aufbau eines Netzwerkes: Niemals die ´Initiative´ dem Chef überlassen ...
Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die Vernetzung der neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die Manager herausgefunden, was bei der lausig geplanten Verkabelung und deren Durchführung, die auf eine ´Initiative´ des Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut. Wie sie Wind von der Sache bekommen haben, überlasse ich der Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings bemerkt, daß der PJ die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in der vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist wirklich erstaunlich. Die Verwendung von Kabel, das dem Standard nicht ganz entspricht, wäre allein nicht so schlimm für den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung für eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise wurde seine Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch, das der PJ und ich mit ihm unter Hinzuziehung von ein paar Bieren hatten, nachteilig beeinflußt. Chef: "Also, ich denke an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem Raum ausgesucht habe wird es Anschlüsse geben. Dafür nehmen wir normale Steckdosen ..." Ich: "Steckdosen? Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros im Erdgeschoß vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine Erschütterung und die Stecker fallen aus der Dose und die Verbindung zum Netz ist unterbrochen." Chef: "Aber dann dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale kommt, wäre besser." PJ: "Am Boden entlang der Wand? So daß jemand, der zufällig seinen Kaffee verschüttet, gleich einen Kurzschluß verursacht ..." Chef (schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich in der Wand ..." Wir: "Wo es dann gleich bei den elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden Interferenzen kommt." Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann heben sich die Wirkungen der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch beim Twisted Pair-Kabel." Ich bin sicher, der weitere Verlauf des Gesprächs ist damit hinreichend beschrieben - es ist, als würde man in einem Aquarium angeln. Noch immer sind die drei sinnlosen Löcher in den Wänden Anlaß für interessante Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte ich dem Chef noch durchgehen lassen, wenn er nicht versucht hätte, irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu installieren. Er nahm wohl an, daß infrarote Strahlung eine Form von kurzwelligem Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, allerdings scheint es, als sei die Nase des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.) Jetzt hat der Chef jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf seine Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann funktioniert, wenn die Bürotüren weit geöffnet sind ... "Wir haben wirklich ein Problem", jammert er gehetzt, als er in mein Büro kommt. "Womit?" frage ich hilfsbereit. "Das verdammte Netzwerk! Es ist ein einziges Trümmerfeld!" "Nun, eigentlich will ich ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten daran denken sollen, daß wir, der PJ und ich, dafür bezahlt werden, Netzwerke zu planen. Sie hätten uns nur unsere Arbeit machen lassen sollen." "Und was hätten sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen. "Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an drei Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt." "Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!" ruft er, als der Groschen fällt. "Nun, Taten sagen mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin, eine offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen." "Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an einen Nutzer während der ´Festplatten-Defragmentierungs-Zeit´ erinnert. "Nun, sie könnten die Kabel austauschen", antworte ich. "Sie haben recht, das werde ich tun." "Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt. Und das bedeutet, daß die Wand teilweise aufgerissen werden muß, um ..." "Das ist nicht gut!" "Nun, dann bleibt nur noch Plan B übrig." "Was ist Plan B?" "Sie zahlen eine einmalige Prämie an die ´Bastard-Net GmbH´ und stimmen hohen Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon morgen behoben und am nächsten Mittwoch nur noch eine Erinnerung sein." "Wie hoch soll die Prämie sein und an wen muß sie zahlen?" fragt er. "Zweihundert; jeweils für den PJ und mich." Angesichts seine Lage begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche. Am nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze Gebäude auf der Suche nach acht Bürotüren, die über die Nacht in der Etage mit den neuen Büros verschwunden sind. Seltsamerweise haben die Überwachungskameras nichts aufgezeichnet ... Die Zuverlässigkeit des Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei denn, der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann, der problemlos die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück. Eine Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag vollendet und der PJ und ich präsentieren unsere Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie unterzeichnet. "Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef. "168 Stunden? Das sind 24 Überstunden in nur sieben Tagen!" "Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet." sagt der PJ leise. "Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß ich das unterschreibe", sagt der Chef, der sich wie immer viel zu schnell aufregt. "Natürlich nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben wieder in den Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich ..." "Fragen sich was?!?" knurrt der Chef. "Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener Türen sind, die die Sicherheitsleute gefunden haben ..." "Wann?!" "Morgen früh ..." Eine Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest des Tages frei, um uns von den arbeitsreichen Überstunden zu erholen. |
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© Simon Travaglia, 30.10.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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