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| bastard operator from hell | ||
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Ein Eindringling im E-Mail-System veranlaßt den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten zu gebrauchen ...
Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das WAN (Wide Area Network) und das Verschlüsselungssystem einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine ankommende Nachricht meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und dem US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht mehr löschen kann), um die Nachricht zu lesen. Es ist seltsam, daß ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten, die in meiner normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht nachdem die Absenderadresse automatisch in verschiedene Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde. Die Nachricht scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist, da nur der PJ meine ´private´ Adresse kennt. Aber diese E-Mail kommt nicht vom PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung der neuen Telefonbücher beschäftigt. Meine Neugier wächst und wächst ... Die weitere Untersuchung enthüllt, daß die E-Mail von der neuen Software der Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des Mail-Servers durchsucht hat, um eine Adressenliste zu generieren. Die Nachricht an sich ist belanglos - eine einfache Anfrage. Ich hasse die Software der Service-Abteilung, ich haßte sie schon immer. Der Gedanke an Software, die ´Ich befasse mich mit dem Problem, wenn ich mich mit dem Problem befasse´ nicht als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr. Wirklich sehr. So sehr, daß ich mich beim Server der Service-Abteilung anmelde. Zwanzig Minuten später bekomme ich einen Anruf aus der Service-Abteilung. "Hallo, hier ist der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem Server passiert ist?" "Keine Ahnung", antworte ich. "Wieso?" "Er ist langsamer als sonst. Die Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu." "Wirklich? Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur begrenzt skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar geeignete Fachausdrücke, die prompt Wirkung zeigen. "Testen sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein, daß gerade ein paar interne Prüfroutinen ausgeführt werden." "Oh, natürlich! Danke." Die Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die Festplattenprüfsoftware von 80 auf 95 Prozent der Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität der Fehlerprüfung von ´oberflächlich´ auf ´sehr intensiv´. Zum Glück habe ich eine angepaßte Version der Prüfsoftware, die nicht nach den standardmäßigen 15 Minuten damit aufhört, einen Abschnitt der Festplatte sehr intensiv zu überprüfen. Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall. "Fünf Pfund darauf, daß die Platte die Nacht nicht übersteht", sage ich zum PJ. "Kein Interesse", erklärt der PJ nachdem er meine ´Test´-Einstellungen geprüft hat und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns ´getesteten´ Festplatten für die Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn ich mich nicht irre. Und das bedauerlichste daran war, daß bei den Erbsenzählern eine inkompatible Version der Backup-Software installiert war. Natürlich taten die allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von ihnen ganz gut. Selbstverständlich kommt es am nächsten Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf dem Server der Service-Abteilung, so daß alles zum stehen kommt. Der Chef scheint sich persönlich für diesen Fall zu interessieren, doch kann er keine Anzeichen für außergewöhnliche Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, daß er sich persönlich um die Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt der Software-Bibliothek zu vertrauen. Hmmm. Ich gebe dem PJ die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen uns wissend an ... Der Server der Service-Abteilung wird neu installiert und konfiguriert, die Datenbankeinträge werden neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche E-Mail wie am Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als ich bemerke, daß eines meiner Skripte in einer Endlosschleife angekommen ist und alle fünf Minuten die Zeit um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, daß die Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies nicht bemerken werden ... Da die Sache mich interessiert, gehe ich zum Chef. "Ich dachte, ich bringe das Band mit der Software der Service-Abteilung in die Software-Bibliothek", schlage ich ihm hilfsbereit vor. Er gibt mir das Band, und es entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen Bemühungen, es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein zerquetscht. Viermal. Als ich hochschaue, sehe ich das lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er ein Band, das unübersehbar die Aufschrift ´Backup - Service-Abteilung´ trägt. "Ich bin ja nicht von gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen freien Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ vorbeigebrachte neue Ausgabe der Gelben Seiten. Ein kurzes ´Hmm´ später verlasse ich das Büro. Als ich wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die Prüfsoftware für die Festplatten wieder mit 97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich - ´sehr intensiv´. Am nächsten Tag passiert das Schreckliche erneut: Der Server der Service-Abteilung erlebt einen weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort in das Büro des Chefs. "Ich könnte das Backup-Band den Technikern bringen, damit sie den Server wieder reparieren können." schlage ich vor. Der Chef lächelt und schüttelt nachdenklich den Kopf. "Oh", antworte ich. "Nun, in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben nicht etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin besorgt, denn es reagiert wirklich sehr empfindlich auf Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe ich aus einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein Schutzgehäuse gebastelt ..." Der Chef wird blaß, als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt. "Ah ... das muß es sein", sage ich und spaziere mit dem wiedergefundenen Löschgerät, das nichts anderes ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ... |
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© Simon Travaglia, 06.11.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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