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| bastard operator from hell | ||
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Schon einmal den Wunsch verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen? Der B.O.F.H. bemüht sich, den Spaß zu vervielfachen ...
"Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein Nutzer. "Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut für die PR ist. "Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!" "Verschwunden?" "Ja. Einfach verschwunden. Ich hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich für die Arbeit brauche." "Wie lautet ihr Nutzername?" frage ich. Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos, denn das Display unserer Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen des Anrufers, seine Zimmernummer, seinen Nutzernamen und seine Position in der Hierarchie unserer Firma an. In diesem Fall: Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw; Position: ´Kanonenfutter´. "Aber ja", erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den verschiedenen Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen anderen Spielen zu beschäftigen, ist es nicht so?" Ich höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen Fehler bemerkt - doch nun sitzt er in der Falle. "Sie waren nur zu Testzwecken da ..." "Waren sie nicht." seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute und überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen Software-Piraterie bestraft werden." "Bestrafung?" "Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten besitzen, aber das scheint sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre Dateien aus gepackten Archiven bestanden ..." "Woher wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!" "Mit ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht hätten ..." "Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben ..." "Ich habe es getan. Ich habe das auch schon vorher gemacht und werde es wieder tun. Auf Wiederhören." sage ich und lege auf. Der PJ sieht verwirrt aus. "So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann kümmern sie sich um illegale Kopien?" fragt er. "Das ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu sichern. Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr hauen, um an eine neue Festplatte heranzukommen." Das Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es ist ´Kanonenfutter´. Der PJ nimmt den Anruf schließlich an. "Alle Dateien auf meiner Festplatte sind ebenfalls verschwunden!" meckert der Anrufer aufgeregt. "Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich und überlasse es dem PJ, ein wenig zu improvisieren. "Ja, das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..." >flip< >flip< Er sucht schnell eine Antwort im Ausredenkalender. "... dynamisch-transienten magnetischen Re-Allokations-Mechanismus ihrer Festplatte. Sie sollten regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Platte machen." "Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus. "Es ist alles gesichert, auch meine Dateien auf dem Server! Könnten sie sie bitte wiederherstellen?" "Warten sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit dem Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen. Seine Nummer ist die 8002 für den Fall, daß die Verbindung nicht klappt." Er verbindet weiter und legt dann auf. "Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt einen Fünf-Pfund-Schein auf den Tisch. "Sechs Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein auf den des PJ. Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten auf dem Display der Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf Minuten keine Verbindung mit dem Systembetreuer zustande gekommen ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht verwunderlich, daß der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn die Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im Kellergeschoß hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben weitere Anrufversuche später stecke ich meine zehn Pfund ein. Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr Intelligenz von diesem Anrufer. Seine Naivität ist wirklich immer eine zuverlässige Quelle für Überraschungen (und ein zusätzliches Einkommen). Wir beobachten, wie unser Freund schließlich die richtige Nummer der Systembetreuung anruft. "Nun, da löst sich ihr zusätzlicher Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ. "Zehn Pfund, daß das nicht passiert", schlage ich vor. "Da gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den doppelten Gewinn. Ich hebe die verdreckteste Kassette mit Magnetband vom Boden auf, und wir marschieren in den Raum mit den Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu warten. Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er kommt. Er hat ein paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht, preßt er sie, aus welchen Gründen auch immer, fest an sich ... "Lassen sie sich nicht stören", sage ich und halte deutlich meine Kassette hoch, von der prompt ein Stück vom Gehäuse herunterfällt. "Sie haben das Band in ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer. "Natürlich", antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar Lesefehler, was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt ist." Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und greift nach der Kassette mit dem Reinigungsband, die auf dem Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört und ahnungslos, was passiert. Seine Ahnungslosigkeit verschwindet, als das Reinigungsband in das LAufwerk eingelegt ist. "Aha ..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das aus dem Laufwerk kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein Gleitmittel?" Er ist gut. "In Ordnung - und - für die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke in die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem Auswurfknopf des Bandlaufwerkes kämpft. "Hm ... nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?" "Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich. Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser Kontrollzentrum. "Wann haben sie ..." beginnt der PJ. "... das Reinigungsband ´perfektioniert´? Vor etwa sechs Wochen - es wird normalerweise nicht benutzt, also wußte ich, daß es das perfekte Werkzeug zur ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus anrufen und sagen, daß man Lesefehler hat ..." "Aber damit haben sie sich nur Zeit gekauft." "Nicht korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen herrenlosen Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden habe. "Sie Bastard!" ruft er voller Respekt. "Durch und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde Netzwerk-Doom." "Legen wir los!" |
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© Simon Travaglia, 20.11.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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