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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Sehr zum Mißfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ...

Irgendwann mußte es ja passieren. Und um ehrlich zu sein, ich wundere mich nur, warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner zahlreichen Belehrungen, meiner anschaulichen Schilderungen der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten Andeutung eines solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an die Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich alleingelassen.
Er hat sich verliebt.
 
Eine der weniger erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit vernetzten Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz besonders dann, wenn man so viele persönliche Mitteilungen auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors mitlesen kann wie wir. Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand ´seine´ Frau, die sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die beiden müssen verrückt sein, wenn sie annehmen, daß niemand ihre Unterhaltung belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon überzeugt, daß er ein weitaus interessanterer Typ zum Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich nicht besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, daß das nächtliche Verlegen von Kabeln mehr Spaß bereitet als ein Gespräch mit einem Erbsenzähler.
 
Das Telefon klingelt.
 
"Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?" singt der PJ mit diesem kranken verliebten Tonfall - sie wissen, was ich meine.
 
"Ich habe anscheinend meine Adressenliste für die Weihnachtskarten vom Server gelöscht. Könnten sie sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?"
 
"Eine kleinen Moment bitte ... " >CLICK< >WHIRRRR< >CHUNKACHUNKACHUNKA< "... da ist sie wieder."
 
"Oh, vielen, vielen Dank!"
 
"Kein Problem."
 
Ich überprüfe die Adressenliste - und es handelt sich tatsächlich um eine Adressenliste, keine logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche ist krank.
 
Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu sehen, in welcher Etage heute ganz plötzlich das Netz ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also kein ´unerwarteter´ Bandbreitenengpaß in Sicht. Beängstigend.
 
Mir fällt auf, daß das Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es zeigt nun jemanden, der blond und weiblich ist.
 
"Ist das ..." deute ich auf das Bild.
 
"Yep. Sieht sie nicht prächtig aus?"
 
Ich muß zugeben, daß das Wort ´Babe´ mir als erstes einfällt. Dann verspüre ich plötzlich das Verlangen, den Netzanschluß des Servers der Erbsenzähler lahmzulegen. Mir wird klar, daß es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen in der Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von JPEGs mit E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen.
 
"Habe ich ihnen schon gesagt, daß wir uns heute zum ersten Mal treffen wollen?" singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das klingt wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Wandtafel. Wirklich.
 
"Nein", antworte ich müde. Ich habe es ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung und Interesse zu heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen, doch meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos.
 
"Wo werden sie sie denn treffen?"
 
"Oh, ich weiß noch nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet. Aber vielleicht können sie mir einen Tip geben?"
 
"Hmmmm ... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High Street? Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und natürlich können sie mit der Karte für ´geheime´ Ausgaben vom Chef bezahlen."
 
"Gute Idee. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein ´ehrlicher´ Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht oder er weiß es wirklich nicht besser.
 
Ein kleines Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, daß die Geliebte des PJ sich nun auf Curry in Highgate freut.
 
Jetzt gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke den PJ weg, damit er für sein Schätzchen einen romantischen Blumenstrauß kaufen kann. Das wird ihn mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so daß ich die Gelegenheit nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen.
 
Der PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause (Zum Glück, den sein verliebtes Geplapper macht mich langsam verrückt.), und so ist es nicht besonders schwer, die letzten Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem Lächeln verschwindet.
 
Der Morgen kommt, und ich erscheine besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um herauszufinden, wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist.
 
"Verdammt erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie hatte eine Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen Abend über ihre neue Kirsch-Entstein-Maschine."
 
Lustig, das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber nein, sie kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern nichts zu schaffen. Und eigentlich dürfte sie kaum Zeit für Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und fährt sich ja nicht selbst.
 
"Aber was ist mit dem Foto?" frage ich.
 
"Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich habe genug von Frauen!"
 
>Klingel<
 
Der PJ nimmt den Anruf an.
 
"Netzwerk-Service."
 
"Mein Netzlaufwerk ist voll."
 
"So?"
 
"Könnte ich etwas mehr Platz bekommen?"
 
"Natürlich gebe ich ihnen mehr Platz ... " >KLIKEDIKLAK< "... schon geschehen. Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen."
 
Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf *". Schon besser.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 04.12.1996, Übersetzung: thomas w., 2000.