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| bastard operator from hell | ||
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Wo findet man einen PJ, wenn man einen braucht? Es ist eine echte Herausforderung, doch ...
Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich leider entschlossen, unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es Wiesen die grüner sind und anziehender auf die Jungen und Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer eines Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen annehmbar sind und die Bezahlung vielversprechend ist. Mit einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei Wochen nach seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei Wochen lief der Chef mit dem wohlbekannten Ausdruck ständigen Verfolgungswahns herum. Offensichtlich hat ein ´Druckfehler´ im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl der Fehlverbindungen zu seinem Anschluß dramatisch erhöht. Und auch die Änderung seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis, daß er für eine Versetzung nach Wales nicht nur im Gespräch, sondern auch noch dafür ausgewählt wurde, führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und langwierigen Streitereien, die ihn für einige Tage beschäftigten. Die Vorstellungsgespräche für den Nachfolger des PJ beginnen, und es ist offensichtlich, daß das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten PJ heranreicht. Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie das Problem suchen oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?" Sie: "Ich such ..." Ich: "Danke, sie werden von uns hören. Nächster!" Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an. Was werden sie tun?" Sie: "Die Frage beantworten?" Ich: "Verzwickte Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage nach 15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!" Ich: "Sie bemerken, daß die Firmware des Routers seit einigen Revisionen nicht mehr aktuell ist. Was tun sie: Füllen sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus, sorgen für die Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die neue Firmware-Version?" Sie: "Die neue Version bestellen?" Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei Stunden abstürzen, bis der Chef sie anfleht, die Firmware so schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier Überstunden mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!" Nach zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich dazu, selbst einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäß entscheidet er sich für Ronald, den schlimmsten annehmbaren Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen seiner Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn lieben, was immer ein deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das beste aus der Situation bis ich einen Plan habe. "In Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..." "Nein, Ronald, nicht Ron." "Ja." Ich mache mir in Gedanken eine Notiz, daß ich die Platten des Bodenbelags ein wenig lockern muß ... Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im Netzwerk-Service vor, indem ich ihn den Staub aus den Kabelschächten entfernen lasse. Zwei Tage und einen Unfall im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an. Ein kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden. Trotzdem, ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis von den Amateuren unterscheidet. Und im fehlt auch der technische Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den großen Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während eines Gewitters die ´Satellitenschüssel zu kalibrieren´. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja recht schnell. Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in einen langen Erholungsurlaub verabschiedet, so daß ich die Festung allein verteidigen muß. Es geht hektisch zu, denn die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem alten PJ Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist begrenzt. Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber für den Posten des PJ zu finden. Beinahe unmöglich, um es genau zu sagen. Es hat sich wohl herumgesprochen, daß es sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem Einrad balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so daß die Bewerber in Scharen einen Bogen um unser Angebot machen. Da ich arbeitsmäßig überlastet bin, komme ich nicht dazu, die vielen Netzwerkfehler zu beseitigen, die uns plagen - zum Beispiel den Netzanschluß des Chefs, der sich plötzlich wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin ich immerhin in der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem Bestand ein 2400er Modem zu leihen. Bei 2400 Baud brummt sein File-Server natürlich mächtig. Ganz zu schweigen vom Netzteil des Modems, das soviel Strom frißt, daß nach dem Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger hell leuchten. Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich ihm einen Vorschlag mache. Wenn er eine ansprechende Prämie und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann könne ich ihm einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm. Der Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable Zahlen. Ich rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches Angebot. Dem er auch nicht widerstehen kann. Einen Tag später hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung in der Tasche. Was der Chef nicht weiß, kann ihn auch nicht ärgern. Vorerst. Als ich später dem PJ die Hand schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns. Ich LIEBE dieses Geschäft. |
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© Simon Travaglia, 11.12.1996, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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