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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Wie kann man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil überstehen? Der B.O.F.H. hat ein paar Ideen ...

Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will offenbar Blut sehen. Bis jetzt gab es zwar noch keine offiziellen Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiß, was die Besuche der Buchprüfer zu bedeuten haben ...
 
Die Buchprüfer gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, daß sie schon mit allen notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von den hohen Tieren hat sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das Gelächter der notorischen Ja-Sager, die sich meine Kollegen nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ...
 
Ich erinnere mich daran, daß ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet habe, doch ich glaube nicht, daß ich mir dadurch diese Aufmerksamkeit ´verdient´ habe.
 
Die kleinkarierten Prüfer spielen ´Guter Bulle - böser Bulle´. Ein staatlicher Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie Mutter Theresa.
 
Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro eintraffen, also melde ich mich noch schnell beim Router der Geschäftsführung an und starte einen Packet-Sniffer zur Überwachung der Daten. Dann richte ich die automatische Gesprächsaufzeichnung so ein, daß sie die Gespräche für ein paar zusätzliche Telefonanschlüsse mitschneidet.
 
Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen.
 
"Das ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den schwerbeschäftigten Arbeiter.
 
"Interne Buchprüfung", knurrt der böse Bulle.
 
"Haben sie einen Ausweis?" frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die verräterischen Zeichen von meinem Monitor löschen kann.
 
Ihre Fotos sind ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrößerungsglas kann ich sie identifizieren.
 
"Die scheinen in Ordnung zu sein. Wie kann ich ihnen helfen?"
 
"Wir sind hier, um ihre Ausrüstung zu prüfen und ins Inventarverzeichnis aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir mit der Prüfung fertig sind."
 
"Wie lange wird das dauern?" frage ich.
 
"Wenn wir fertig sind, dann sind wir fertig." sagt er böse Bulle.
 
Ausgezeichnet. Ich schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie dann mit meiner Kennung durch die Tür.
 
Sie laufen ein wenig herum, rufen sich Inventarnummern zu und machen dabei komische Geräusche. Ich vertreibe mir die Zeit damit, daß ich die neuesten Bänder der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre. Es dauert nur ein paar Minuten, um dem Sekretärinnengeschwätz zu entnehmen, daß jemand in der Erbsenzählerabteilung herausgefunden hat, daß einer unserer Mikrowellenstrahler auf das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den Himmel. Es ist nicht so, daß wir den Strahler derzeit zum Senden nutzen würden ... Andererseits wäre es in bezug auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere Krankheiten, die diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert.
 
"In Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir.
 
"Ihren Aufzeichnungen entnehme ich, daß sie im vergangenen Jahr als angeblich nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben ..."
 
"Ah, Satellitenempfangs-Monitore", unterbreche ich ihn schnell. "Sehr schlechte Qualität, ja."
 
"Zwei Stereo-Videorecorder ..."
 
"Recorder für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen. Schlechte Qualität."
 
"Einen Mikrowellenherd ..."
 
"Ein Testgerät für die Übertragung von Mikrowellen geringer Reichweite."
 
"Und 112 Videos."
 
"Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras, stimmt."
 
"Gekauft im Megastore?"
 
"Zu einem guten Preis."
 
"Unbespieltes Material für 15 Pfund pro Kassette?"
 
"Qualität kostet ..."
 
"Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?"
 
"Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie doch an. Ich bin sicher, daß sie in den Aufzeichnungen des Megastores als Leerkassetten auftauchen. Nun ..."
 
"Und sie haben sie ausgemustert?"
 
"Die Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen nach drei Monaten zu vernichten ..."
 
"Nun, und was ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?"
 
"Wir benutzen sie hier überall ..."
 
"Ja, aber dabei könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst eine Weihnachtsbaumbeleuchtung paßt zu dieser Rechnung."
 
Scharfsinnige Bastards, wirklich ...
 
"Ich bin sicher, daß alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in einem Tonfall, der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die gleiche Art von Vertrauen, die in dem Satz: "Halte mir den Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines bedeuten ...
 
"Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle etwas freundlicher. "Sie besitzen WIRKLICH alle Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem Chef der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?"
 
Ups. Plötzlich stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so gut.
 
"Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie persönlich für die Verluste haften. Bei einem Buchwert von rund 5000 Pfund ..." sagt er und genießt dabei sichtlich jede Silbe.
 
"Natürlich habe ich die Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel Papier, den ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo hier. Entschuldigen sie bitte die Unordnung."
 
Während sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die Autonummern heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke dem PJ dann eine E-Mail mit seinem Auftrag.
 
Eine Stunde später beschließen die Prüfer, daß der Arbeitstag vorbei ist und ziehen ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen ihnen, um Zeuge einer ´zufälligen´ Sicherheitsprüfung am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind schockiert und sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller ´ausgemusterter´ Technik sehen, die unsere ehemaligen Buchprüfer zusammen mit einem Stapel Ausmusterungsformulare hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren leer bis auf jeweils zwei verräterische Unterschriften.
 
"Also dahin verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für den Fall, daß die Sicherheitsleute den Faden nach dem anonymen Anruf verloren haben sollten.
 
Status Quo wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für den Krampf in seiner Signierhand zu entschädigen.
 
Das Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas anderes behauptet ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 15.01.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.