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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der B.O.F.H. hat Lust auf einen harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den störenden Chef los? Kleinigkeit ...

Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn nicht mehr so verrückt gesehen, seit der PJ und ich die Erbsenzähler davon überzeugt haben, daß Windows 95 seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige Version, nämlich OS/2, umsteigen müßten.
 
"Was zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stößt er hervor. "Der Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er sagte, sie hätten eine Sekretärin alle Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner mit Viren infiziert!"
 
"Sie machen Scherze", antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich habe mit niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich etwa angerufen?"
 
"Nein, sie haben den Nutzer-Service angerufen, aber den Anruf haben sie angenommen!"
 
"Das kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am Netzwerk zugebracht." antworte ich. Unser automatischer Netzwerk-Betreuer dürfte für ein bequemes Alibi sorgen.
 
"Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner Viren-Diskette herum.
 
"Das ist eine Diskette mit einem Virus", sage ich.
 
"Und warum haben sie sie mit ´VIRUS SCAN´ beschriftet?"
 
"Das war eine Erinnerungen für mich selbst, daß ich diese Diskette prüfen muß. Ich habe herausgefunden, daß sich tatsächlich ein Virus auf ihr befindet und sie in den Papierkorb geworfen. Aber offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise versucht sie weiterzuverwenden."
 
"Der komplette Server in der PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen den Nutzern verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu infizieren."
 
"Natürlich", sage ich. "Aber der PJ und ich können die Dinge wieder richten."
 
Der PJ ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in der Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein paar kleinere Veränderungen in den Jahresabschlußberichten vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die Reißzähne und Geweihe, die ich den IT-Chefs verpaßt hatte, im vergangenen Jahr bemerkt. Für dieses Jahr muß ich wohl eine weniger subtile Bearbeitung der Druckversionen vornehmen.
 
Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie feststellten, daß die Zahlen der Firma nicht so aussahen, wie sie aussehen sollten - die Sorte von Zahlen, die man den Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen Seite hat sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren Bonus natürlich auch die Wohltätigkeitskasse des B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben ließ.
 
"Gut", erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde die Aktion natürlich persönlich überwachen - zur moralischen Stärkung und des Zusammengehörigkeitsgefühls wegen ..."
 
Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag zur moralische Stärkung, den er vor einigen Tagen in der Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche damals auf einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer vegetarischen Lasagne. Doch das ist nicht der Hauptgrund. Meine kreativen Gedanken werden einfach gehemmt, wenn der Chef mir ständig über die Schulter blickt.
 
Zeit für eine Strategie, mit der wir ihn loswerden ...
 
"Großer Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ. "Dieser Blitzableiter ist einfach lächerlich."
 
"Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef.
 
"Sie wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit der Erde verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst gewartet, der sich den Blitzableiter über unserem Fenster auch nur anschaute."
 
"Aber wir haben doch mehrere Blitzableiter", antwortet der Chef, der offenbar keine Ahnung von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein, von den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld brauchten).
 
"Nein, nur einen - eine ökonomische Einsparmaßnahme ihres Vorgängers", füge ich als passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann.
 
"Oh? Dann werfen wir doch einen Blick darauf!"
 
Ich führe ihn zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter.
 
"Wozu brauchen wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls hinaufklettern und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren."
 
"Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig ..." sage ich.
 
"Oh, zum Teufel damit - machen sie das verdammte Fenster auf!" schreit der Chef nun offensichtlich im Idioten-Modus.
 
Fünf Minuten später ist er in einer verletzlichen Position und damit auch sehr beschäftigt.
 
"Ich habe gar nicht gewußt, wie hoch wir wirklich sind ..." sagt der PJ verträumt.
 
"Stimmt. Wenn sie aus dieser Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel, um sie in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich.
 
Erwartungsgemäß blickt der Chef nach unten. Die plötzliche Blässe seines Gesichts und das Weiß seiner Knöchel zeigen an, daß er nun an seinem Platz gefangen ist und so schnell auch nirgends mehr hingehen wird.
 
Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem ´Beseitigen´ von Viren zugebracht haben, sieht der Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn man den Werbe-Chef mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge sowie zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern sieht.
 
Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht verbessert - nun schon in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.
 
Ich bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und ziemlich attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet wird. Der Wachdienst muß ´seine´ Notizen über Streß und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett gefunden haben.
 
Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer Unterstützung aus ... Und auch der nette kleine Bonus von den Druckern sollte nicht vergessen werden.


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 22.01.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.