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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der Chef der Erbsenzähler hat einen drittklassigen Plan ausgeheckt, um den B.O.F.H. und seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ...

Es geschieht nicht oft, daß wir durch einen Besuch des Chefs der Erbsenzähler ´geehrt´ werden.
 
In Wahrheit kam es bisher nur einmal vor, daß er den Frieden in den heiligen Hallen des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden hatte, daß die ´satellitengestützte Datentransfertechnologie´ anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war und hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug.
 
Ich spüre, daß er mir diesmal etwas zu sagen hat, das wichtig ist. Er sieht aus, als sei er wirklich sehr zufrieden mit sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht zeigt einen Ausdruck, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der ein einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen Größe von einem Meter sechzig auf und spricht mit freundlicher, aber merklich nervöser Stimme.
 
"Angesichts der Tatsache, daß ihre Vorstellungen von technischem Service ziemlich eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken, haben wir uns entschlossen, uns einen eigenen Server zuzulegen und einen eigenen Netzwerkbetreuer einzustellen."
 
Er schweigt vornehm, damit mir die Schlußfolgerungen seiner Rede bewußt werden.
 
"Kann ich das so auffassen, daß sie nicht zufrieden mit dem Service sind, den mein Assistent und ich ihnen bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ.
 
"Er?" gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein Psychopath."
 
Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die Anklage aus der höheren Etage geht weiter.
 
"Wir werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so daß wir sie beide nie mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen. JEDER den wir finden ist verglichen mit ihnen eine Verbesserung."
 
Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt.
 
Etwa eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von einem Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist offensichtlich, daß die vorangegangene Konfrontation mit uns den gesamten Mut des Chefs der Erbsenzähler aufgebraucht hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das Netzwerk in der Finanzabteilung zuständig.
 
Ich gebe die Notiz dem PJ und sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten. "Nun, da wir nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben sie wohl ihre eigenen Router", sage ich und ziehe ein paar Stecker. Interessanterweise meldet das kleine Testgerät, das ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, daß sie noch immer Daten aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese Typen.
 
Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das Pager-Icon auf meinem Desktop. Ein paar Sekunden später klingelt mein wirklich furchtbar privates Handy. Der PJ ist fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige Personen kennen die Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt, dann bedeutet das normalerweise, daß wir wirklich in Gefahr sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion gesehen, deshalb beobachtet er es wirklich sehr ängstlich.
 
"Hallo? Ja, das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut keine Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen Netzwerk-Operator gepflegt. Oh, sie sind das, wirklich? Das ist schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in fünfzehn Minuten."
 
Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm verschreckt. Ich erkläre, daß der Alarm wohl etwas mit dem Rauch zu tun hat, der aus der Erbsenzähler-Zentrale kommt, und er eilt nach draußen, um sich die Sache anzuschauen. Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir wissen, woher ich wußte, daß etwas in der Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich konnte weder den Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen.
 
"Nun, sie erinnern sich an Martin?"
 
"Was, den Mann, dem sie mich einmal vorgestellt haben?"
 
"Ich habe sie so vielen Leuten vorgestellt ..."
 
"Okay, den mit dem Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen Temperament und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den heiligen Franz von Assisi aussehen läßt?"
 
"Ja, das ist er."
 
"Von dem sie letzte Woche erzählt haben, daß er eine Arbeit sucht?"
 
"Hmmm ... nun, er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen Zufall ganz oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre ich.
 
Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der vergangenen Woche so viel Zeit mit dem Stöbern in der Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild darauf war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche Vorschläge zu machen.
 
Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt, halt ... warten sie, bis sie den Router sehen, den die Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen zusammengeflickten Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen kann. Ich verspreche ihnen, daß die Erbsenzähler noch viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der ganzen Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers kennen, und das sind die zwei, die es geschrieben haben. Einer von ihnen sitzt vor ihnen."
 
"Und der andere?"
 
"... kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum Pub um die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 05.02.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.