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| bastard operator from hell | ||
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Jemand hat herausgefunden, wohin die ´befreiten´ Telefone verschwinden. Es ist höchste Zeit, ´B´ für Bastard zu wählen ...
Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld, das viel sinnvoller für andere Dinge angelegt werden könnte, die Telefone in der Firma zu standardisieren. "Warum tut er das?" fragt der PJ "Weil er irrtümlich glaubt, daß das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der Telefone hat, die jedes Jahr ´befreit´ werden und dann bei den Angestellten landen." "Sie meinen, die Telefone werden GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch glaubt, das Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma. "Natürlich", rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu. Es war auch schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon bekommt die Firma lebenslange Loyalität und ein weiteres uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor Christi Geburt, was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz ist, den wir im Erdgeschoß für uns reserviert haben ..." "Und das funktioniert wirklich?" "Logisch. Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!" Der PJ tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein. "Hallo, Entwurfsabteilung." "Hallo, die Netzwerkbetreuung ist hier. Es scheint, als hätten wir ein kleines Problem mit ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728." Mein Monolog wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die Gabel gelegter Telefonhörer verursacht. "Was ist passiert?" fragt der PJ. "Ich würde sagen, jemand ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen hinunter und nach Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam die Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus dem Gebäude zu jagen ..." Der PJ und ich beobachten, wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt und über die Straße zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich die Nummer erneut an ... "Hallo", meldet sich schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus. "Pete", plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüße Sheryl von mir, wenn du sie siehst, du Verführer." "WER IST DA?" Ich lege schnell auf. "Ich bin sicher, daß zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden wird ... nun, lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon klauen. Er wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach Hause zu nehmen. Bis zum Zahltag muß er wohl ohne Anrufe auskommen." "Sie sind wirklich ein Bastard", gibt der PJ widerwillig zu. "Natürlich. Und jetzt gehen wir zum Chef ..." "... und wie soll das den Diebstahl verhindern?" frage ich den Chef, nachdem ich mir seinen Vorschlag angehört habe. "Weil es sich um ein spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse und Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für DIESES Unternehmen hergestellt wird. Und natürlich wird das Firmenlogo aufgedruckt sein." "Nun, ich glaube, sie sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen", stellt der PJ völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen, das niemand klauen kann, dann machen sie es 20 Pfund schwer und lassen es wie Schrott klingen." Braver Junge. Der Chef ist etwas verwirrt, denn er weiß, daß er seinen Vorschlag der Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muß. Und er will nicht, daß wir seinen Plan stören ... Ich entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen. "Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk muß gewartet werden und so weiter." Sehr zu seiner Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro. "Ich glaube nicht, daß die Geschäftsführung seinen Plan genehmigen wird", vermutet der PJ, als wir unser Büro betreten. "Verlassen sie sich lieber nicht darauf", antworte ich. "Kleben sie das Firmenloge auf irgendetwas und sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn die Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..." Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der Geschäftsführung, um die Präsentation unseres Chefs ´vorzubereiten´. Zum Termin der Präsentation halten wir uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs kommt. "Warum funktioniert die Testleitung nicht?" knurrt er erwartungsgemäß. "Keine Ahnung", sage ich. "Wir sind schon unterwegs." "Sie müssen nicht ..." Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im Präsentationsraum. "Na sowas", ruft der PJ, der seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone, die genauso aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat." Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle des Verlierers schlüpft - er weiß genau, daß man niemals die Konkurrenz kopieren wird. "Und da haben wir auch schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick vom Testgerät. "Es ist das Anschlußkabel dieses Modells. Ich werde mir eine entsprechende Notiz machen." Ich hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn des vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das Gehäuse habe ich neulich ein Firmenlogo geklebt. "Was ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen. "Oh, nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er auf Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut wird." "Davon könnte ich auch einen gebrauchen." kommt die Antwort, auf die zustimmendes Gemurmel folgt. Unserem Chef dämmert, daß er nun endgültig verloren hat. Wie geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die Ecke, wo wir ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld bezahlen, das wir soeben als Prämie für unseren Vorschlag, ´Firmen-Organiser´ einzuführen, bekommen haben. Nun, wenn es nicht so einfach wäre, könnte man es beinahe als Herausforderung bezeichnen. |
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© Simon Travaglia, 12.02.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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