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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Der Chef kocht sein Süppchen in der falschen Mikrowellenschüssel, so daß der B.O.F.H. ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ...

Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine Niederlage bei der jüngsten Firmentelefonaffäre einzugestehen, will er sich an uns rächen und versucht nun, uns das Leben zur Hölle zu machen.
 
Dabei zwingt er uns jeden einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die Menschheit kennt. Hinzu kommt noch, daß er persönlich überprüft, wann wir zur Arbeit kommen und Feierabend machen. Und auch vom kreativen Erfinden von Abrechnungen, womit wir sonst den größten Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns dadurch ab.
 
Das ist nicht gut.
 
Nun, Angriff ist die beste Verteidigung.
 
Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich ins Büro des Chefs kommen sollen, weil wir vergessen haben, Warnschilder bei den geöffneten Kabelschächten aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich den Chef der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war noch nie ein großer Fan von mir oder dem PJ - zumindest nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von Reparaturarbeiten an der Telefonanlage ein wirklich sehr privates Telefongespräch, das er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem führte, mithören mußten. Vielleicht hätten wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht ´vorschnell´ gehandelt zu haben ...
 
Der Chef beginnt seinen Angriff. "So sehr ich solche Sachen auch ablehne, doch in diesem Fall kann ich einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muß sie beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor der Belegschaft verwarnen." sagt er.
 
"Den gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?"
 
"Was nichts daran ändert, daß es ein gefährlicher Sturz war", antwortet er aufgehetzt vom Personalchef.
 
"Könnte ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um sein Vertrauen bemüht.
 
"Nein, das wird nicht nötig sein", antwortet der Chef.
 
"Oh, ich habe eigentlich nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten aus der Personalabteilung. Denn da wir gerade über Sicherheitsrisiken reden, dachte ich, der PJ und ich könnten mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden."
 
Wie durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es daran liegen, daß der Chef sich daran erinnert, WER die besagte Sendeschüssel empfohlen und (gegen den ausdrücklichen Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte?
 
"Vielleicht könnte ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef schmallippig.
 
"Nun, es geht hauptsächlich um eine Vorsichtsmaßnahme, müssen sie wissen", sage ich, als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine letzte Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, daß mein Arbeitsvertrag noch einmal verlängert wird. Und deshalb muß ich natürlich jemanden finden, der sich um diese Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen haben, kümmert und alle zwei oder drei Wochen einmal auf das Dach klettert, um die Befestigungsschrauben anzuziehen. Offenbar neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so daß sie irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten das alles nicht herausgefunden, wenn sich nicht einer der Mitarbeiter im Büro direkt unter dem Dach darüber gewundert hätte, daß der Kaffee in seiner Tasse immer dann zu kochen anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite nutzen ..."
 
Der Chef ist, wie wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu ohne Paddel und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst zu verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen Folgen für seine Karriere bewußt werden. Und, was noch wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich wäre ...
 
"Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und simuliert leises Interesse.
 
"Oh, sie kennen ihn!" antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein Name. Sie wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und ähnlichem Krimskrams fehlt."
 
Der Wasserfall kommt immer näher. Er WEISS, daß wir eine unterschriebene Kopie seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer Antwort) sicher an einem feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu dem er erst dann Zugang erhält, wenn der Teufel Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt.
 
52 Sekunden später sind wir wieder im Büro ...
 
"Nun, damit ist die Sache dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum Ärger des Personalchefs. "Es hat den Anschein, daß die Warnschilder aufgestellt WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst gesehen! Nun, sollten sie sich nicht besser an die Arbeit machen und die Reparatur abschließen ..."
 
"Wir sind schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich doch beinahe vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen, die sie vorhin nicht unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon, warum sie sie beanstandet haben! Der PJ und ich konnten die ... ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in unserer regulären Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei Sonntagnächten gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen, so daß sie gleich unterschreiben können."
 
Der Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher weiß, daß er von der Unternehmensleitung nicht gebilligt wird, und der Chef unterzeichnet die Überstundenabrechnung über eine Summe, die vermutlich dem Bruttosozialprodukt eines kleinen kommunistischen Staates entspricht.
 
Der Sieg und die Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich guten Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die wir außerhalb der Firma lagern.
 
"Was war das?" fragt der PJ.
 
"Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über die Anschaffung der Sendeschüssel zurückgegeben."
 
"Sind sie sicher, daß das eine gute Idee war? Er wird das Back-Up einfach zerstören."
 
"Das ist vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was geschehen ist, war das die einzige Aufzeichnung über die Schüssel, die noch existierte. Und ohne Aufzeichnungen ..."
 
"Ich rufe den Schrotthändler an."


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 19.02.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.