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| bastard operator from hell | ||
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Verkatert und gezwungen, die Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht der B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ...
Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen Kater, der selbst die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht hätte. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich nach Hause kam, aber ich glaube, daß eine sehr, sehr lange Taxifahrt und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle gespielt haben ... Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am anderen Ende der Stadt mit dem ´Ködern´ von Lieferanten zubrachten, war es einfach unvermeidlich, daß wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in den Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es gibt. Der Erste, der zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft, die Initiative und seine Firmenkreditkarte, wenn er nicht hinschaut. Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe vergessen, daß wir dem Chef mitgeteilt haben, daß der PJ und ich natürlich gern die Vertretung in der Nutzer-Betreuung übernehmen, während sie bei einem Arbeitsschutz-Seminar lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt, ohne gleich an RSI (Repetitive Strain Injury - Tastaturkrankheit), oder wie man das heute auch nennt, zu sterben. Der Chef ahnte zwar, daß wir etwas im Schilde führen, doch hat er natürlich nicht den Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu ´erfreuen´. Und ihm fehlt wohl auch das geistige Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns geht. Aber das ist ja keine Überraschung. Nun, soll er bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich doch darüber wundern, daß die Gesundheits- und Arbeitsschutzvorschriften der Firma zwar vorschreiben, daß alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein Protest, er hätte schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos, denn in der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag vorhanden (Ups!), noch besitzt er die ´Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei´-RSI-Kurs-Teilnahmekarte. Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser Zertifikate und entsprechende Einträge in der Datenbank, obwohl wir noch immer keine Ahnung davon haben, wie der Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen Veranstaltungen eigentlich geht. Im Bewußtsein seiner Niederlage zieht der Chef leise und unauffällig davon. In der Zwischenzeit habe ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder angeschlossen, nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über seine Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige das Heizungssystem - es hat wohl Überstunden gemacht. "Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?" "Ja, sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und hilfsbereit. "Können sie mir die Nummer des Modem-Pools geben?" "Natürlich kann ich!" antworte ich und nenne dann die Nummer eines Fax-Gerätes aus der vierten Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich verwirren wird. Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon wieder klingelt. "Mein Laptop läuft immer langsamer. Können sie mir helfen?" "Natürlich kann ich das. Aber sagen sie mir nicht, daß sie noch immer mit der Stromfiltereinheit arbeiten?" *DUMMY MODE EIN* "Die Stromfiltereinheit?" "Ja, die Einheit, die den Strom für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist sie schwarz und ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit." "Oh ... ja, ich sehe sie." "Gut, dann müssen sie erst einmal die Filtereinheit durch das filterlose Kabel ersetzen." "Das filterlose Kabel?" "Ja, es lag mit in der Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch dort." "Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!" "Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben sie für die Zwischenzeit denn ein ungenutztes Netzkabel?" "Uuuuhhhmmm ..." "Leihen sie sich einfach eins von einem anderen Rechner - das ist dann deren Problem." "Ja, ha ha", lacht er ins Telefon. Was für ein Einfaltspinsel. "Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den Stromfilter aus, dann schneiden sie das Kabel zwischen dem Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und entfernen etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die beiden Kabelenden in die Anschlußdose des neuen Netzkabels einführen ..." "Das habe ich gemacht." "Und das Netzkabel anschließen." "Okay, vielen Dank." Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown. Ungefähr zehn Sekunden später geht der Feueralarm los, was ich als vielversprechendes Zeichen werte ... Am Ende des Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade begeistert. Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ gehört, der einem Nutzer empfohlen hat, die Passwörter für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern in seiner Abteilung zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig zufällige Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht von der Aussperrung aus den Computern verbreitete sich nach der Mittagspause innerhalb weniger Minuten im gesamten Haus ... Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven Verständnisses von Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der Chef herein, tobt ein wenig über die verlorene Zeit, Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene Kollegen, bla, bla, bla ... Wir stimmen pflichtbewußt seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der Zukunft zu bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen. "Übrigens", fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein Zertifikat über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich könnte schwören, daß ich es auf den Tisch dort drüben gelegt habe ..." Auf der Suche nach der Urkunde verläßt er uns, während ich die Rauchmelder abschalte und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ... Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit, Arbeit, Arbeit ... |
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© Simon Travaglia, 26.02.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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