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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. wird mit ultimativer Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine Lust darauf ...
Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten Falle ist es der von geschmortem Thunfisch. Der Chef hat gute Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas Schlechtes für uns bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, daß er in letzter Zeit verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte telefoniert hat. Leider wurden die Gespräche nicht aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte, die Kassetten des Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er nicht zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker sorgen ... Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft - der Chef hat uns für 10:30 Uhr zu einem Gespräch eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen. Der selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich vollends davon, daß er glaubt, er sei in einer unangreifbaren Position. "Gentlemen", sagt er mit einem völlig untypischen Tonfall der Kameraderie. "Warum nehmen sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich neue Kleidung?" Der PJ antwortet prompt. "Und warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen sich f ..." "WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn und rette den PJ davor, mit seinen Worten eine Disziplinarmaßnahme zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns erlaubt, die Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit paßt." "Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit vielen Unterstreichungen versehene Kopie eines Vertrages hoch, der so aussieht wie der, den wir unterschrieben haben, als wir in der Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schließt Kontakte ein mit ..." Er schweigt für einen Moment, um uns Zeit zu geben, seinen Satz zu vervollständigen und kostet sichtlich jede Milisekunde aus ... "... es beginnt mit einem K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N ..." Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so daß der Chef das Rätsel selbst auflöst. "KUNDEN." "Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an das ich gedacht habe. Aber ich schätze, wir reden trotzdem über die gleichen Leute ..." Mit einer Handbewegung unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den Punkt. "Wir arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit einem einfältigen Kind. "AHEM", antwortet der Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte. "Es war die Idee der Geschäftsführung wie auch die der Nutzerbetreuung, daß die Nutzerbetreuung und die anderen Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind." Sein selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal hat er seine Hausaufgaben gemacht. "Und was schlagen sie vor?" frage ich. "Die normale Repräsentanten-Kleidung. Anzug ..." Der PJ keucht. "... Hemd, Krawatte ..." Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals. "... und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder." "Nun", fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung überein, aber ich muß zugeben, daß sie Recht haben. Morgen werde ich bereit sein." Die aufgerissenen Augen des PJ zeigen, daß er an meinem Verstand zweifelt. Aber der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er einer, aber für den Augenblick lasse ich ihm seinen Frieden, denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber noch nicht genau sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ... Am nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich wie befohlen im Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef die Rechnung für unsere neue Kleidung, der plötzlich unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden scheint. Eine Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ und ich die Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem Defilibrator ein paar Kratzer und Schrammen zu verpassen und den Arbeitsplatz-PC des Chefs zu zerlegen. "Wo bin ich?" fragt der Chef. "In ihrem Büro." antworte ich. "Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch." "Das stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf die Rechnung. "Das ist die Rechnung für unsere Kleidung. Erinnern sie sich daran, daß in unserem Vertrag steht, daß die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken angefertigte Kleidung bezahlen muß. Wußten sie, wie schwer es ist, innerhalb von sechs Stunden echte italienische Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu bekommen? Sie mußten sie extra einfliegen!" "Damit kommen sie nicht durch!" knurrt er und läßt seinen Blick wieder auf die große Ansammlung von Zahlen am unteren Ende der Rechnung fallen. "Nun, befürchten sie nicht", antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie nicht, daß sie sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten Buchhalter mit einer Vorliebe für Internet-Strip-Shows hat uns gestern einen Blankoscheck gegeben ..." "Dann werde ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht auf seinen Sieg schon deutlich vor Augen. Soviel Zuversicht, daß selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum Leben erweckt zu werden scheinen ... Ich gebe ihm noch eine zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem Strom, bevor ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der Zwischenzeit der PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der den Scheck schnell einlöst ... Und da sagen manche noch, Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ... |
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© Simon Travaglia, 05.03.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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