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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ...
Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig gemacht! Das ist verwunderlich, doch irgendwie hat er es geschafft, ein paar Konsultationsbesuche mit anderen lokalen Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch von Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern. Das könnte ihm so passen! Wir wissen, daß es sich dabei nur um eine List handelt, mit der er uns loswerden will, um nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift tragen, zu suchen, die wir von ihm erpreßt haben, indem wir damit drohten, den Geschäftsführer darüber zu informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger Beteiligung unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung getrieben haben. Wer hätte gedacht, daß die Erweiterung der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine Infrarotkamera sich so schnell auszahlen würde? Und in Konsultationsbesuchen erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT eine Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und ich bereiten uns auf die Besuche vor, indem wir die leider für längere Zeit nicht mehr gebrauchten falschen Böden in unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit veraltetem Netzwerkzubehör füllen. Gemäß unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend 10/100 MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten ausgetauscht, als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen, mir die ganze Schönheit seiner Technikregale vorgeführt hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby die Bonbons weg - und läßt ihm dann noch das Einwickelpapier ... Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres Unternehmen, das eine leichte Herausforderung verspricht. Jedenfalls solange, bis wir zur Mittagszeit in ein Lokal gehen, um sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas folgen. Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten Version der Firmware, für die unser Lieferant ein mittleres Vermögen kassieren wollte, während der Netzwerk-Manager unseres Gastgebers friedlich schnarcht. Da ich ein gutmütiger Trottel bin, werde ich die EPROMs später als ´Fehlerbereinigung´ mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar kleine Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe. Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird zu unserem Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten belastete Segment"-Anweisungen ausgeführt werden ... Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, daß er einmal mit einem Rasenmäher zusammengebracht werden sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir machen. Aber das Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, daß wir das Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemäßig die Hardware prüfen. Es bricht mir wirklich das Herz, daß ich diese Leichtgläubigkeit nicht bestrafen kann. Die Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet der alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu, sich vom anderen PJ den Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige zu Fuß aufsuchen. Der andere PJ vergißt natürlich achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ... Sekunden später fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, daß seine Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt hat. Die Dunkelheit, der wahre Freund eines jeden Bastards, wird nur noch durch einige NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein wenig flackern und schließlich auch ausgehen. Nun, das nenne ich einen guten Lehrling. Schneller als man "Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann führe ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen spürbaren Gewichtszuwachs für meine Aktentasche bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draußen, um den PJ unseres Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich auf meinem Weg in den Raum zufällig von einem Regal herunterstieß. Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe, wie der PJ dem anderen PJ in einen Stuhl hilft. Der arme Tropf sieht etwas verstört aus, also entschließe ich mich, ihm ein wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar Anrufe entgegennehme. "DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!" schreit ein Nutzer in einer Lautstärke, die bei uns dazu geführt hätte, das uns jemand Krankengeld zahlen muß. Hier scheint sowas üblich zu sein. "Ja, das liegt am Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht wird." antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im Niedrigstrom-Modus benutzen, um solche Ausfälle zu vermeiden." "Wie kann ich das tun?" fragt der Nutzer und läßt mich wieder an die guten alten Werte wie Vertrauen und Bestrafung denken. "Schalten sie erst einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite jedes Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus einzuschalten. Dann schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder ein." "Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will der Nutzer wissen. "Sie haben es!" "Danke." "Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach draußen eilen. Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach aus den Büros im Erdgeschoß, der in meinen Ohren wie fröhliche Musik klingt ... Die letzte Station unserer Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir besuchen unseren Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte. Sieht aus wie eine Falle ... Meine Befürchtungen bewahrheiten sich, als ich die vielen kleinen Löcher für die versteckten Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore und der Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun, das erhöht den Reiz ein wenig ... Ich liebe die Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ... |
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© Simon Travaglia, 19.03.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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