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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu lösen ...
Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer Konsultationsreise. Und diesmal scheint es sich um eine wirklich harte Nuß zu handeln ... Die Netzwerk-Zentrale scheint direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen, eine echte Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe voller komplizierter Geräte. Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt die wichtigste Parole. Der PJ nimmt die hervorragende Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr und paßt sich entsprechend an. Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und ich nehme den Anruf hilfsbereit entgegen, wobei ich vorhabe, das gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung einzusetzen, doch das verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar, daß alles, was ich sage, gegen mich verwendet werden kann und wird. Ich gebe ein paar unnütze Floskeln als Ratschlag von mir, dann lege ich wieder auf. Mein Gegenpart beobachtet mich mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau weiß, wie sicher seine Einrichtung ist. Dieser Bastard! Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir topmoderne und neue Technik, für die ich sogar dem Chef keine Streiche mehr spielen würde, um sie zu bekommen - was meinen allgemeinen Kummer nur noch verstärkt. "Ziemlich gut, oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher, daß sie solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann ..." Dieser Doppel-Bastard! Zur Mittagszeit habe ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus, als hätten sich die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria bemerke ich überall Kameralinsen. Außer ... Der PJ interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt und stellt sich für den Bruchteil einer Sekunde so, daß niemand sieht, wie ich das alte Hausmittel - ein wenig Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers schmuggle. Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so schön, in der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ... Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein paar Stunden später, so daß der PJ und ich endlich mit der Arbeit beginnen können. Er stolpert zufällig über ein Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole der Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer Sache ein paar Quetschungen zu. Die Überwachungskameras befinden sich nun im Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC, den ich von hier aus erreichen kann, die SNMP-Testprogramme. Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den Chef meines Gegenstücks identifizieren kann, und wettert über erschreckend hohe Antwortzeiten im Netzwerk. Doch eigentlich kann das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400 ungenutzten PCs im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs Netz ... "Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit neuer Hardware vor ein paar Monaten hatten." kommentiere ich hilfsbereit "PSIK?" fragt er. "Ja, Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die neue Hardware hält sich meistens an keinen Standard, was auch prächtig funktioniert, solange die Geräte nicht an ein Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine Daten austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt es früher oder später zwangsläufig Probleme ..." "... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt werden." vollendet der PJ, der meine Taktik schnell durchschaut hat. "Was können wir dagegen tun?" fragt der Chef-Verschnitt. "Mein Netzwerkbetreuer hat mir nichts davon berichtet!" "Sie machen Scherze!" erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine täglichen Reports aus, in denen er protokolliert, womit er den Tag verbringt? Natürlich! Großer Gott, aber sagen sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für solche Fälle!" "Hat er nicht!" "Aber das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder, daß sie Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!! Ich spreche es ja nicht gern aus, aber es hat ganz den Anschein, als hätte er sie mit irgendwelchen technischen Floskeln an der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können - denn sie sind ja ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde ihnen ein paar unserer Geräte leihweise überlassen, damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die Fehler lokalisieren und beheben können." "Das würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des Netzwerkes vor Augen. "Natürlich! Aber nur, wenn sie nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr technische Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt." "NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen zu treffen. Sagen sie mir, was wir ersetzen müssen und sie können es mitnehmen, wenn sie gehen ..." "Gut, dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus." antworte ich. "Und vergessen sie nicht diesen kleinen Handheld zur Netzwerk-Analyse" ergänzt der PJ. ... fünf Minuten später ... "Und zum Schluß noch diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor." "Sie meinen den neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des Geschäftsführers?!?!?" jammert er. "Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte aller Fehlermeldungen." antworte ich. Innerhalb einer halben Stunde vermißt ihre Kommunikationszentrale nichts als einige fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung einer Ladung mit Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, daß man die Bytes beim Wandern beobachten kann und mache Pläne für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden. Ich kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung" jedes Gerätes, das wir untersuchen und als standard-kompatibel einstufen, zu sehen ... Ja, diese Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ... |
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© Simon Travaglia, 26.03.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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