diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ...

Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro hereinschlendert. Er streicht wie eine Katze um dem sprichwörtlichen Brei.
 
"Wie lief der Router-Verkauf?" will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit darüber, daß er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war, daß er nicht einmal mehr den Selbsttest schaffen würde, um als Anker zu dienen, kaum verbergen.
 
"Sie kamen und haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen Tropf, der den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit gerade damit beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich glaube noch immer, daß wir nicht ganz korrekt gehandelt haben."
 
"Klingt wie ein Fall von später Reue", gluckst der Chef selbstgefällig.
 
"Tatsächlich?" erwidere ich. "Ich dachte wirklich, daß es ein Router war! Man kann diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen - nach Tschernobyl kann man nie wissen, ob sie radioaktiv sind ..."
 
Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf, doch der PJ bleibt ruhig, denn er kennt meinen Plan.
 
"Wie HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um das Bedürfnis des Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu befriedigen.
 
"Oh. Ich habe ihnen gesagt, daß es ein Originalgerät ist und noch immer so gut, wie an dem Tag als wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was für ein Genie er ist ...
 
Und das ist ein Glaube, gegen den ich nichts habe, denn heute ist der erste April - Bastard Boss Tag - und ich will endlich einen Preis bekommen, um den ich mich schon seit vielen Jahren bemühe.
 
In diesem Jahr habe ich beschlossen, dem Chef das Netzwerk als Speichermedium zu verkaufen. Ich muß noch ein paar Andeutungen machen, damit er seine gewaltige Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel zuzubinden abwendet und mir zuhört.
 
"Es ist doch ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese Gigabit Ethernet Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht! Statt sie im Leerlauf ungenutzt zu lassen, könnten wir doch ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand sie braucht und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch senken! Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen bei Lese- und Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die könnten wir einsparen, wenn die Daten immer im Netz verfügbar wären!"
 
"Das wird niemals funktionieren", kontert der PJ verabredungsgemäß. "Unser Netzwerk ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück, bevor sie vollständig abgeschickt wurden."
 
"Nicht, wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze Verzögerung zu bewirken", antworte ich. "Zehn Cat-5-Kabelrollen dürften genügen."
 
"Ja!" lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar nicht gedacht."
 
Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt. Wenn der PJ mir sofort zugestimmt hätte, dann wäre der Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste vermutet. Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite", also ist die Sache sicher.
 
Wie ein Schaf im Schlachthof ...
 
"Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, daß der Geschäftsführer zustimmen wird!"
 
"Wären sie so nett, ihm zu sagen, daß es meine Idee war?" frage ich und bringe die letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er völlig davon überzeugt, daß die Sache sicher ist. Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst einzuheimsen.
 
Er verschwindet zum Geschäftsführer, während der PJ und ich versuchen, gelassen in unser Büro zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro des Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder.
 
Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe einbringen, die ich schon so lange verdiene - den begehrten "IT-Idiot-Preis" für den dümmsten Chef, den ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen werde, wo ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin ...
 
Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ...
 
"Wie auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter Intelligenz drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir der Gedanke kam. Angesichts der steigenden Kosten für Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache, das Netzwerk als Speicher zu nutzen ..."
 
Er fährt fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als "Futter" vorgesetzt haben, und erwähnt ganz nebenbei, daß er gerade eine Bestellung über zwanzig Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat.
 
Die Explosion ist unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen zwar gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu bedienen, hat andererseits sechs Jahre damit verbracht, Erstsemesterstudenten die theoretischen Grundlagen von Netzwerken beizubringen.
 
Der PJ und ich kopieren alles für den Fall, daß uns jemand "bestrafen" will ...
 
Später in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen Preis zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse Unzufriedenheit. Vielleicht hätte ich den Chef besser davon überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die USV zu nutzen.
 
Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 02.04.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.