![]() |
![]() |
![]() |
| bastard operator from hell | ||
|
|
Die Netzwerk-Zentrale wird in ihrem Fundament erschüttert, als die Dinge kopfstehen ...
Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant hatte. Ja, beinahe scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu sein. Ich wurde zu einem dienstlichen Gespräch eingeladen, um auf einige Beschwerden über meine "Arbeitsweise" zu reagieren ... Um den Schein von ´Fairness´ zu wahren, sorgt der Chef dafür, daß als Zeuge sein guter Freund und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber auch wenn ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit ihm habe, so rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich bin sicher, daß er nur das Kriegsbeil begraben will ... "Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle Beschwerden über sie von einem neuen Systemprogrammierer bekommen. Er erklärt, daß sie sich grundlos anstößig ihm gegenüber benehmen." "Ich fürchte, daß ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden." "Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne sie an gewissen Körperteilen lecken." "Wie bitte?" frage ich schockiert. "Da muß ein gewaltiger Irrtum vorliegen. Als ich ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich ihm, daß ich einen Systemabsturz hatte, den er sich einmal anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er mich falsch interpretiert." "Sie kamen von der Toilette." "Reiner Zufall. Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot." "Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich glaube, sogar ich habe es noch gehört." "Ich gebe zu, daß es etwas lauter als ein Flüstern war, aber das tat ich nur aus Respekt vor seinem reichhaltigen und professionellen Wissen ..." (Nun, einen Versuch war es wert ...) "Die Worte ´lecken sie meinen´, nun, sie wissen schon, was ich meine, haben nach MEINER Meinung nichts mit professionellem Respekt zu tun." "Natürlich werde ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten Klimas in der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort entschuldigen!" "Sie wissen so gut wie ich, daß der Programmierer gekündigt hat." "Nein, das ist mir neu. Wie kam es denn dazu?" "Es hat den Anschein, als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen seiner Geräte gewesen." "Wirklich? Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System. Erst kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..." "Ja, ich habe auch bemerkt, daß der Chefbuchhalter für unsere Abteilung ebenfalls gekündigt hat. Er sprach von zuviel Streß am Arbeitsplatz." "Nun, ich finde auch, daß die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind, was sie einmal waren." antworte ich. "In der guten alten Zeit reagierten die Geräte etwas toleranter, wenn es kleinere Fehler gab." "Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel, für die die Elektriker keine Erklärung haben?" "Wirklich? Das wußte ich nicht. Jemand hat meinen Strom- und Spannungsmesser gestohlen." "Damit meinen sie wohl das Meßgerät, das mit der Hauptleitung im Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala eingeschaltet ist, so daß die Sicherungen auf der Etage jedesmal durchbrennen, wenn der Overhead-Projektor eingeschaltet wird?" "Wirklich? Wer würde denn sowas machen?" "Haben sie eine Begründung dafür, daß der Sicherheitsdienst ihre Fingerabdrücke auf dem Gerät gefunden hat?" "Ich muß bei meiner Arbeit viele Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe." "Das sehe ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer will sich persönlich mit ihnen unterhalten." Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer sind höchst selten. Und beinahe immer sind sie Anlaß für eine ´Kündigung´. Der Chef und ich werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten ... "Was gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der Geschäftsführer. "Wollen sie die Antwort mit technischen Fachbegriffen oder verständlich für Laien?" frage ich höflich. "Für den Anfang versuchen sie es so, daß ein Laie es versteht." "Ich und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen Betrieb, die wirklich wissen, was wir tun." Der Chef schüttelt den Kopf und lächelt humorlos. "Ja, ich habe gehört, daß das der Fall ist." antwortet der Geschäftsführer, der bei einem Familientreffen durch den PJ informiert wurde. Diese Familientreffen sind eine fantastische Einrichtung ... "Entschuldigen sie!" unterbricht der Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie übersehen da etwas." "Natürlich tue ich das." lächelt der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind, natürlich, traurig, daß sie uns verlassen wollen." "Was? Ich denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu unterschreiben. Und sie können mich nicht dazu überreden!" "Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der Geschäftsführer etwas verwirrt und zeigt ein Schriftstück mit der rasch hingekritzelten Unterschrift des Chefs. "Aber wer kann mich denn ersetzen?" murmelt der Chef resigniert. "Er sitzt vor ihnen." lächelt der Geschäftsführer. "Sie wollen sich um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef. "Nein ..." "Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen einen kurzen Kampf um die Vorherrschaft auf seinem Gesicht aus. "Das meinen sie nicht ernst!" "Aber natürlich meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre, daß sie eine Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir eine freie Position in unserer Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie werden natürlich mir unterstellt sein ..." Manchmal kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist es WIRKLICH gut. |
|
![]() |
![]() |
![]() |
© Simon Travaglia, 09.04.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
||