diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Wer hat behauptet, es sei leicht, ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die nicht mit einer Axt geregelt werden können ...

ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner neuen Position als Manager so gut - Geld für wichtige Projekte (Stereo-Fernseher, die mit den neuesten und besten Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind) auszugeben, als die Bombe platzte.
 
Ich fand heraus, daß von mir erwartet wird, an ungefähr sechs ´Planungs-´ Besprechungen in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über das Management wurde mehr als bestätigt ...
 
Irgendwann, nachdem die Frage, ´was diese Byte-Dinger eigentlich sind´ ungefähr tausendmal gestellt wurde, ist Schluß! Und dann ertappt man sich bei der Vorstellung, welche Verbesserungen man mit einer Axt und einem großen Abfallzerkleinerer in der Firma durchsetzen könnte.
 
Wo ich gerade beim Thema bin - die erste hochwichtige Beratung fand zu der bedeutenden Frage statt, ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten. Da eigentlich schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, daß das eine irgendwie redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben sich meine Gedankengänge noch nicht an meine neue Position gewöhnt. Ich hatte vergessen, daß diese kleine Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern VIER Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen in der Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18 Monaten empfohlen hat.
 
Nach nur zweistündiger Besprechung wurde beschlossen, daß wir die Pflanzen mieten, denn dann wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu gießen und zu pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus den Automaten nicht ohnehin dafür sorgen würde.)
 
Und nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang darum, was mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die in dem Gebäude stehen, seitdem es eröffnet wurde - in den oberen Etagen sind einige schon so groß, daß sie nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können. Und da kam als kleinerer Geistesblitz der Müllzerkleinerer ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine Zerkleinerungsmaschine zu mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern und vor Ort eine Art organische Entsorgung durchzuführen.
 
Zu diesem Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren so simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst natürlich durch ihn verursacht wurde, ich quäle ihn dafür ein wenig und beseitige das Problem dann auf bequeme Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich mich an jemanden, der den nötigen Verstand hat.
 
Den Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die Nutzer mit der typischen Geringschätzung eines Netzwerk-Profis, der die allgegenwärtige Frage, warum das Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er hat gesehen, was wir sahen, er weiß, was wir wissen.
 
Er IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo er Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt, um die Telefone bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm mein Problem, und er hört mir aufmerksam zu.
 
"Es gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie müssen es einfach mitmachen. Halten sie den Kopf unten, mucken sie nicht auf, denn sonst werden sie wieder eine Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen."
 
Ein Gedanke kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?" frage ich.
 
"Niemals!" antwortet er sofort. "Ach, kommen sie", flehe ich (da ich ein Manager bin, ist das nicht unter meiner Würde).
 
"Das wird nicht billig", sagt er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser niemals eingestellt.
 
"Wieviel?"
 
Er nennt eine erpresserisch hohe Summe mit einem Klang seiner Stimme, der Verhandlungen ausschließt.
 
Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck >Jammer!< über die Summe, die er verlangt. Er verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er mir einen weiteren guten Rat gegeben hat.
 
Die Ankunft des großen Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine Möglichkeit, um auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner Manager-´Kollegen´ entgehen lassen will - eine weiteres Merkmal der Firmenpolitik.
 
Natürlich nehme auch ich an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In Ordnung, zeigen sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in den Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert.
 
Als alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates und schlage ihm vor, daß es doch eine gute Idee wäre, wenn er auf einem Foto auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert wird. Ich klopfe auf einen Plastiksack, der mit einem Geräusch antwortet, als klopfte ich auf Holz.
 
Der Aufsichtsratschef lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann bereiten die Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal läuft, werden bestimmt auch die anderen Manager zurückkommen, die die Chance auf ein weiteres Foto wittern. Der Chef des Aufsichtsrates muß sich also beeilen.
 
Er baut sich auf, ich starte die Maschine und leere den Sack.
 
Um fair zu bleiben, muß ich sagen, daß er die Verwandlung seiner Segeltrophäen in Staub mit Fassung trägt - er entläßt mich nur aus meiner derzeitigen Managerposition.
 
Einen Tag später erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs, der jetzt wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem Lohn anbietet.
 
Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank seiner neuen Erfahrungen recht annehmbar. Das Leben könnte kaum besser werden.
 
"KOMMEN SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt.
 
"Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung eingeschlossen! Dann hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm seine Axt zu bringen, und jetzt hören wir nur noch die Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl.
 
Ich wußte, daß es zu schön war, um wahr zu sein ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 23.04.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.