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b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Nicht nur der Duft von Napalm am Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server stellt einen guten Tagesbeginn dar ...

Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne sind noch wach genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der aus dem Computerraum kommt. Dieser Geruch und die Jacke des PJs auf der Lehne seines Sessels lassen nur einen Schluß zu. Er will eine weitere Lohnerhöhung.
 
Und die ist mehr als überfällig, wenn ich bedenke, daß die letzte Lohnerhöhung schon sechs Wochen zurückliegt. Doch die Personalabteilung zeigt mit den Daumen nach unten.
 
Der PJ kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und etwas, das wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers der Personalabteilung aussieht, mit. Gemäß seiner Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und rammt jedem, der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch.
 
"Guter Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust.
 
Ich bereite mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt auch schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, daß mein ´Kunde´ niemand anders ist, als der Vizechef der Personalabteilung, eine Person, mit der ich mehr als nur einen Zweikampf ausgetragen habe.
 
"Was zum Teufel ist mit unserem Server passiert?"
 
"Nun, ich bin mir noch nicht ganz sich, aber ich glaube, er litt unter Überhitzung ..."
 
"Sie haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er.
 
"Nein, natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die Maschinen älter werden, kann der Staub im Gerät zur Selbstentzündung führen, weil ..."
 
"Das verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!"
 
"Hmmm, sowas kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, daß der PJ ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn, den sie ihm zahlen." erwidere ich.
 
"Das ist es! Wir werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er und schmeißt den Hörer auf die Gabel.
 
Ein paar Tage später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein neuer Server taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett eingerichtet, so daß ich keinen Zugriff auf ihn bekomme. Der Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang des Problems - wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es wahrscheinlich, daß sie einen kleinen Unterschied zwischen dem, was sie uns in der Vergangenheit für die Anschaffung von Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich kosten, bemerken. Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent.
 
Ich lasse den Dingen ihren Lauf - nach einer ´göttlichen´ Einmischung durch den PJ und mich. Und natürlich ruft am nächsten Tag der Chef der Personalabteilung an - die Freundlichkeit in Person.
 
"Hallo", schnurrt er.
 
"Hallo."
 
"Wir haben ein wenig Ärger mit unserem Server und fragen uns, ob sie uns einen Rat geben könnten."
 
"Wo liegt das Problem?"
 
"Nun, wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem Erstellungsdatum anzeigen lassen." antwortet er.
 
Aha, das ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob mein Rat gut oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes Wissen als Maßstab nimmt.
 
"Kein Problem", sage ich. "Geben sie einfach ´ls -l´ ein. Wollen sie die Ausgabe seitenweise sehen?"
 
"Oh, natürlich", antwortet er und erwartet das allgegenwärtige ´rm´ als Antwort.
 
"Geben sie einfach noch ´| more´ ein."
 
"Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da er mich nicht dabei ertappte, daß ich ihm einen falschen Rat gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir zu vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem System. Die Antwortzeiten waren viel zu hoch."
 
Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß der PJ dafür gesorgt hat, daß die Ping-Anfragen etwa 30 Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen.
 
"Ich frage mich, ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System wieder beschleunigen können?"
 
"Nein, nicht wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich konfiguriert ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben die Speicher-Expansions-Routine noch nicht aktualisiert, oder?"
 
"Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und versucht, nichtvorhandenes Fachwissen vorzugaukeln.
 
"Na gut, dann sollten sie das am besten gleich tun."
 
"Gute Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch gleich?"
 
"Das wissen sie doch", antworte ich hilfsbereit. "Echo ´MEMORY-EXPANSION´ > /dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag in /etc/inittab."
 
"Oh, natürlich. Ich glaube, ich habe den Eintrag bei der Feinabstimmung gelöscht", antwortet er mit gespaltener Zunge.
 
Eine Viertelstunde später ist er wieder am Telefon. Diesmal noch erregter ...
 
"Der verdammte Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er startet nicht einmal mehr!"
 
"Nun, ich schätze, wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet ihr Root-Passwort?"
 
Nach einem kurzen Augenblick des Zweifels stößt er "MEHRGELD" hervor. Schnell wie ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen Rechnern. Trefferquote: hoch.
 
Einen Tag später ist der Server der Personalabteilung wieder unter unserer Kontrolle, der Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ sitzt zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten Mitarbeiters.
 
Er ist sogar so zufrieden, daß er dem Personalchef sagen will, was in ihrem Wasserspender wirklich ist. Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für eine spätere Gelegenheit aufzusparen ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 30.04.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.