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| bastard operator from hell | ||
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Es ist Besuchszeit, und der B.O.F.H. geht hin, um, ähm, Informationen über die neueste Technik zu sammeln ...
"Ich schätze, es ist Zeit, daß wir uns nach neuer Technik umsehen." Ich kann nicht glauben, was ich höre. Der Chef kauft neue Technik ungefähr so häufig, wie Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals seine Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge alter XTs anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum Glück hörte ich noch rechtzeitig von diesem Plan, so daß ich ´zufällig´ dem Geschäftsführer eine Notiz zuspielen konnte, in der stand, daß der Lieferant ein Cousin des Chefs ist, so daß dieser Plan aufgegeben wurde - ich konnte nicht glauben, daß der Chef meinen Anteil vergessen hatte. Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem Service-Telefon saß, ist er ein neuer Mensch. Sein Geist ist immer offen für neue Möglichkeiten ... "Es gibt ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür veranstaltet", erklärt er. "Ich denke, sie sollten sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt." Früher hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" - doch seit seiner jüngsten Bastardisierung ist das eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra erwähnt werden muß. Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu einer unmenschlich frühen Stunde in einem Zug, der durch die Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere bewährten Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei. Schließlich landen wir in einem Dschungel aus Forschungslabors und mitten in der Show. Unser Schicksal läßt uns zunächst an einer Vorbereitungstour, Entschuldigung, an einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von der Leine gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen können. Die Tour ist langweilig, doch immerhin ist unser Führer so dumm, daß er nicht sieht, was wir anstellen. Schließlich werden wir uns selbst überlassen - mit ein paar ihrer Sachen, die nicht am Boden festgeschraubt waren. Es ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch meine Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die um die Räume herumlungern, in denen die Apparate, die wirklich teuer sind, besichtigt werden können. Im ersten Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich interessiere, seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung gelegt hat. "Nun, erzählen sie mir mal etwas über Telearbeit", sage ich begeistert zu dem jungen Anzug am ISDN-Werbestand. "Dieses Gerät kann sie mit dem Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken sie gar nicht, daß sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt, so daß es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN verbunden." erklärt er mit glänzenden Augen. "Sieht aus wie ein ISDN-Router." "Ähm ... ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und blinkende Leuchtdioden." Ich betrachte das Gehäuse verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen Gedanken. "Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?" "Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte." "Wieso?" "Damit sie ihren Laptop mit dem Netzwerk über einen Router statt per Modem verbinden können." "Wieso?" "Damit müssen sie keinen Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren Routern installieren." "Natürlich. Statt eines preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren Router benutzen. Wie ökonomisch." Meine Gedanken werden durch einen Stoß des PJs unterbrochen. "Sie haben ein Sicherheitssystem hier, das wie bei uns über die Iris des Auges die Nutzer identifiziert." "Nicht ganz - unser System schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist auch nicht mit dem Sprinklersystem verbunden." Er muß noch soviel lernen ... Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich deshalb, weil wir nicht die Kantine benutzen, sondern den VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente, den Leser für die Identitätskarten zu ´reparieren´, damit er unsere Karten richtig liest. Echte VIPs beim Versuch zu beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu verschaffen, ist eine interessante Mittagsunterhaltung ... Angenehm gestärkt durch Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir bereit, den Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner Tasche wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs erhöht, die achtlos auf dem Spirituosen-Regal herumstand. Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute unterbrochen. Während er uns lang und breit mitteilt, warum wir warten müssen, bevor wir Zugang zu den guten Sachen bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten. Sektion Sechs wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo wir diesen wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne eigene Stromversorgung arbeitet. "... wie sie sehen können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung mit der Basisstation", leiert der Langweiler herunter und versucht offensichtlich, die Aufmerksamkeit auf den Video-Datenstrom zu lenken, der auf das angeblich stromversorgungslose Gerät übertragen wird. "Und hier können sie eine Aussparung in der Datenleitung sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung stecke, wird der Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, daß wir die Wahrheit sagen." Er plaziert die Karte in der Aussparung und dreht sich mit selbstgefälligem Grinsen zum Monitor, um auf ein Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert sich plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen Wasserbüffel in seinem Jakusi entdeckt. "Debbie macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ. Zeit zum Verschwinden ... Wir haben die Hälfte des Weges zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle losbricht. Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze Krims-krams. Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu meiner Zufriedenheit, als ich mich an die Theke lehne. "Ich setze fünf Pfund darauf, daß der Chef des amerikanischen Mutterkonzerns sich gerade einem Iris-Test unterziehen mußte", kommentiere ich und sehe, wie das Wasser aus ihrem Eingang herausläuft ... "Keine Chance", antwortet der PJ. "Noch ein Bier?" Eine lustige Sache, diese neue Technologie ... |
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© Simon Travaglia, 07.05.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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