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| bastard operator from hell | ||
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Der B.O.F.H. und die Paintball-Schlacht ...
Ich liebe den Geruch brennender Geräte am Morgen - das ist der Duft des Sieges. Ich überspringe den Sieg vorläufig und konzentriere mich auf die Stimmen, die das Mikrofon im Taschenrechner auf dem Schreibtisch des Chefs aufnimmt. (Erste Regel für die Anwendung von Wanzen: Plaziere sie in einem Gerät, das gut sichtbar ist, aber niemals wirklich benutzt wird.) "Ich denke, das ist eine FANTASTISCHE Idee!!" höre ich den Geschäftsführer aufgeregt sagen. "Das ist BRILLANT!" versucht der Chef den Geschäftsführer noch zu übertreffen. "Eine Paintball-Schlacht! Das ist genial!" Ich schalte den Lautsprecher aus. Endlich kann ich die Früchte monatelanger Arbeit, vieler ausgestreuter Hinweise und Andeutungen, unzähliger umgeleiteter Webseiten und zahlloser Spam-Mails ernten. Der Fehdehandschuh wurde aufgenommen ... ... Seufz ... "EINE PAINTBALL-SCHLACHT!" ruft der PJ besorgt. "Dieser Herausforderung werden sie sich nie stellen!" "Aber natürlich werden sie", antworte ich. "Wir gegen die Erbsenzähler! Gewehre, die Farbbeutel verschießen. Es sieht so aus, als hätte der Geschäftsführer, immerhin indirekt *IHR* Fleisch und Blut, beschlossen, daß es vernünftig und richtig ist, den offenen Krieg zwischen den Abteilungen auf dem Feld der Ehre mit einer Paintball-Schlacht zu beenden - niemand kann sich hinter der Technik verstecken oder mit Siegeln für genehmigte Anschaffungen herausreden!" "Sie klingen, als freuten sie sich auch noch darauf!" jammert er und ist noch immer nicht von dieser Chance überzeugt. "Gehen wir einfach davon aus, daß es nun nicht mehr abwendbar ist. ´Freuen´ ist allerdings etwas übertrieben. Aber ich muß zugeben, daß es mich reizt, unserem Gegner auf dem Feld der Ehre fair und ehrlich zu begegnen. Ohne Mißgunst und Neid (Sie haben meinen Benzinzuschuß zum Beispiel nur deshalb gesperrt, weil ich mein Auto verkauft habe und vorher drei Monate lang nicht mehr mit ihm auf Dienstreise war.) in einer ´Alles-ist-erlaubt´-Schlacht." "Aber sie werden uns einseifen!" plärrt er. "Sie haben Wochenendkrieger auf ihrer Seite!" jammert er mit letzter Kraft. "Und wir haben unsere Lieferanten! Ich bin sicher, daß ich ein oder zwei Leute finden werde, die mit einem Gewehr umgehen können! Wie auch immer, es ist alles von oben angeordnet. Jetzt bleibt uns nur noch, das Beste aus der Situation zu machen. Nehmen wir die bittere Medizin wie echte Männer und berechnen wir den doppelten Stundensatz für die Wochenendarbeit ..." Der PJ ist nicht überzeugt ... "Oh, habe ich schon erwähnt, daß im Interesse des Zusammengehörigkeitsgefühls der Chef - sie wissen schon, der, der ihre Handynummer an die Nutzerbetreuung weitergegeben hat - bald herausfinden wird, daß er zum Team gehört?" "Wirklich?" erwidert der PJ mit glänzenden Augen. Seine Zweifel sind Vergangenheit ... Eine Woche später ist es soweit. An diesem schicksalhaften Tag verlassen wir den Bus, wobei uns unsere Gegner höhnisch lächelnd beobachten - sie haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf diesen Tag vorbereitet und ausgiebig trainiert ... Meine eigenen Kenntnisse sind nicht so gut, habe ich doch nur ein paar Meldungen in den Newsgroups zum Thema lesen können. Seufz ... Der Paintball-Veranstalter verteilt die Munition und die Waffen an die Truppen, so daß das Spiel beginnen kann. Unser neulich bestelltes Buchverfolgungssystem für die Firmenbibliothek wird in diesem ´Feldversuch´ natürlich auch eingesetzt - die eigentlich für die Bücher bestimmten Sender sind in die Kampfanzüge unserer Gegner eingenäht. Offenbar eine lohnende Investition ... Ein Hinterteil präsentiert sich mir in meinem Versteck, so daß ich problemlos mitten ins Schwarze treffen kann. Selbstverständlich benutze ich meine Reservewaffe, die mit etwas mehr Druck feuert und als Munition gefrorene Farbbeutelchen verschießt ... Der resultierende Schmerzschrei läßt mich aus zwei Gründen lächeln: (a) Er beweist, daß Einträge in Newsgroups wahr sind und (b) läßt unsere restlichen Gegner sich noch tiefer ducken ... Eine halbe Stunde später haben wir die Erbsenzähler in ihrer behelfsmäßigen Festung umzingelt. "Wir ergeben uns!" rufen sie und kommen mit erhobenen Händen und Waffen heraus. "In einem echten Krieg müßten wir jetzt Gefangene machen", erkläre ich dem PJ. "Doch die Genfer Konvention bezieht sich ja nicht auf Paintball-Schlachten, was irgendwie traurig ist ..." Das folgende Massaker muß unnötigerweise schnell über die Bühne gehen. "Schnell!" ruft der PJ. "Sie flüchten in den Bus!!!" "Sie meinen den Bus, der zur Zeit vor einem ruhigen Landgasthaus in 4 Meilen Entfernung parkt, oder?" In Ermangelung unseres Gegners sah sich der Chef plötzlich von Mitgliedern seines Teams umgeben, das ausschließlich aus Leuten bestand, die er in den vergangenen Wochen verärgert hatte. Möglicherweise erklärt das seinen gehetzten Gesichtsausdruck ... Der Geschäftsführer taucht später auf, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln, ob die Unstimmigkeiten zwischen uns und den Erbsenzählern schon ausgeräumt wurden. "Freundliches Feuer", erkläre ich gegen das Protestgeschrei des Chefs dem Geschäftsführer. "Ein dokumentiertes Phänomen in Kriegszeiten. Und ein bedauerlicher Zufall." ... Am nächsten Montag sind wir zurück am Arbeitsplatz, und die Vorhersage des Geschäftsführers hat sich bewahrheitet - die Streitereien zwischen den Abteilungen haben einen neuen Tiefstwert erreicht. Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn da die meisten Erbsenzähler noch unter den Folgen eines traumatischen Schocks leiden - die Nachwirkung des Hinterhaltes in der Nähe des ´ruhigen Landgasthauses´ -, ist auch niemand zum Streiten da. Nicht nur die Erbsenzähler leiden. Wir stecken bis zum Hals in Anforderungsformularen für neue Technik, die wir dem Chef zur Unterschrift vorlegen. Er hat etwas von einem Rückspiel in ein paar Wochen gehört und will es sich anscheinend nicht mit uns verderben ... Ich glaube, ich sollte den 29 Zoll-Stereo-Monitor für die Telearbeit in meiner Wohnung jetzt bestellen ... |
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© Simon Travaglia, 11.06.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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