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| bastard operator from hell | ||
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Der Genuß der örtlichen kulinarischen Delikatessen läßt den neuen Kollegen verschwinden ...
"Verdammt! Sie haben ihn vertrieben, stimmt´s?" schreit der Chef, dessen Stimmung Anzeichen heftiger Verärgerung darüber zeigt, daß ihm schon wieder ein potentieller Kandidat für den Posten des ´Kontaktmanagers´, der die Kommunikation zwischen uns und unseren Kunden verbessern soll, abhanden gekommen ist. Er ist der vierte innerhalb einer Woche - bei dieser ´Erfolgsrate´ werden wir unser Verhältnis zu den Kunden leider kaum verbessern können. "Wie bitte?" reagiert der PJ mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck, zu dem er in der Lage ist. "Er ist nicht hier, oder?" will der Chef wissen. "Au contraire", antworte ich. "Ich habe ihn noch am Morgen gesehen. Der PJ war auch bei mir. Er sah allerdings etwas kränklich aus - offenbar ist er mit einigen zukünftigen Arbeitskollegen durch die Kneipen gezogen." "Sie haben ihn dazu überredet?" "Nun, wir haben ein paar Biere getrunken. Natürlich nur zum besseren Kennenlernen und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses." gebe ich widerwillig zu. "Und wo ist er jetzt?" "Nun, das ist wirklich lustig. Zuletzt sah ich ihn, als er zusammen mit dem PJ und mir im Lift fuhr. Wir haben diese leckeren neuen Zigarren ausprobiert, die es am Stand vor dem Eingang für ein Pfund gibt. Er sah wirklich krank aus. Dann ist er plötzlich aus dem Lift gestürmt." "Warum?" "Keine Ahnung. Ich glaube, der PJ hatte ihm gerade ein fettes Specksandwich angeboten." "Ähm, nein", unterbricht mich der PJ. "Ich glaube das war, nachdem sie ihm diese konservierte Alkoholikerleber gezeigt haben." "Wirklich? Wenn sie das sagen, wird es wohl so gewesen sein." "Ich wußte, daß das passieren wird", antwortet der Chef mit selbstgefälligem Lächeln und greift das Telefon, um mit der Rezeption zu reden. "Schicken sie bitte den nächsten Bewerber hoch." Aha, der alte Trick mit der doppelten Bewerberanzahl. Natürlich wird der neue Bewerber ("Nennt mich Dave.") eingestellt und bekommt seinen Schreibtisch. Der Chef gibt ihm die glänzende Broschüre über die Firma, in der völlig fiktive Tätigkeiten beschrieben werden, die wir angeblich durchführen. Dann fragt er Dave nach seinen Erfahrungen ... "Nun", antwortet der offenherzig. "Das könnte ich ihnen sagen, doch danach müßte ich sie leider töten." Meine Hände verkrampfen sich plötzlich in den Armlehnen des Stuhls, als mir klar wird, wie gefährlich die Arbeit mit jemandem sein kann, der so fanatisch ist. "Wann können sie beginnen?" fragt der Chef, der bemüht ist, den Posten schnell zu besetzen, da ihm sonst eine Umstrukturierung der IT-Abteilung droht. "Sofort, wenn sie wollen. Ich bin flexibel einsetzbar." Die Armlehne des PJs knarrt gefährlich - im Gleichklang mit meiner. Große Menschen haben den gleichen Gedanken. Später an diesem Morgen wird unser neuer ´Repräsentant´ im Vermittlungsraum versteckt, wo er ´ein Gefühl für unsere Arbeit bekommen soll´. Der PJ und ich erhöhen die Fühlbarkeit noch, indem wir die Temperatur um einige Grade senken und all die lautstarken Geräte einschalten, die wir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufgehoben haben. Zur Mittagszeit sind seine Lippen bläulich und er wirkt irgendwie entrückt - ein Zustand, den man schwer beschreiben kann. Wir plazieren eine leere Wodka-Flasche im Abfalleimer der Vermittlung und melden unseren ´Fund´ dem Chef. Der läßt sich allerdings entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten ausnahmsweise nicht von uns hereinlegen. Am nächsten Tag ist unser Kollege wieder auf den Beinen und wird ziemlich unsanft mit der Arbeit in Netzwerken vertraut gemacht, als es in einem der Kabelschächte, die er entlangkriecht, zu einem ´plötzlichen Potentialunterschied´ zwischen seinen Füßen und seinem Oberkörper kommt. Schockierend! Ich werde bei der Arbeit gestört, als der Chef wenig später vorbeikommt. "Haben sie Dave gesehen?" fragt er. "Nicht in der letzten Zeit", antworte ich. "Warum?" "Oh, jemand ist über eine der Abdeckplatten der Kabelschächte gestolpert, die ungesichert herumlag." "Ja", bemerkt der PJ. "Er hat auch in der Vermittlung eine Abdeckplatte nicht wieder festgeschraubt. Das hätte einen schlimmen Unfall geben können, doch jetzt ist die Platte wieder festgeschraubt." Der Chef bemüht sich bei der Schilderung unserer Sicherheitsvorkehrungen, unschuldig zu lächeln, während er unbemerkt ein Stück Papier auf meinen Schreibtisch schmuggeln will. "Oh", rufe ich und schnappe es mir. "Ein offizielles Rundschreiben, in dem die Haftung des Arbeitgebers für Unfälle am Arbeitsplatz beschränkt wird - auf dem Gebiet ... Oh! ... der Sicherung von Abdeckplatten? Mit dem Datum von gestern? Ich kann mich gar nicht erinnern, daß das gestern gekommen ist. Und sie?" "Nein", antwortet der PJ. "Bis zum heutigen Morgen gehörte das noch nicht zur offiziellen Arbeitsschutzordnung." Der Chef setzt sein ´Wir sitzen alle im gleichen Boot´-Gesicht auf und appeliert an das Gute in uns, um seine negative Erwähnung im nächsten internen Arbeitsschutzbericht zu verhindern. "Das macht 20 Pfund für jeden." antworte ich, um die Sache abzukürzen. Das Geschäft wird gemacht, und der Chef verschwindet mit der Sicherheit, daß er für den Unfall nicht zur Verantwortung gezogen wird. "Übrigens", meldet sich der PJ. "Haben sie bemerkt, daß in diesem Rundschreiben nirgends gefordert wird, daß man vor dem Festschrauben der Abdeckplatten nachschaut, ob sich noch jemand in dem Kabelschacht aufhält?" "Das haben sie nicht getan!" rufe ich. "Nun, haben sie tatsächlich angenommen, daß die Klopfgeräusche durch die Klimaanlage verursacht wurden?" "Aber das ist ja furchtbar. Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben!" Nun, bei der Arbeit in Netzwerken kann man nie zu vorsichtig sein. |
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© Simon Travaglia, 04.06.1997, Übersetzung: thomas w., 2000. |
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