diese seite wurde für die darstellung mit netscape communicator 4 oder ms internet explorer 4 mit aktivierter javascript-unterstützung optimiert.
b.o.f.h.
 
  bastard operator from hell  


Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben ...

Es hat mich schon immer gestört, daß die Erbsenzähler ihr eigenes Netzwerk betreiben dürfen, auf das wir keinen Zugriff haben.
 
Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger Zeit gestattet, auf unsere Dienste verzichten zu dürfen. Und so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten, sie auf den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige Rebellen, die dafür sorgten, daß sie wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten System in ihrer Etage behielten.
 
Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir haben uns monatelang mit aller Kraft bemüht, für sie da zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks dauergetestet etc. Die Sache mit dem Amboß war wirklich ein unglücklicher Zufall, und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die Transaktionen mit dem örtlichen Wettbüro als einzelner Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen konnten. Aber ich bin sicher, daß dies nicht durch uns veranlaßt wurde.
 
Trotz unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler noch immer darauf, daß sie ihre eigene Technik-Abteilung brauchen. Schlimmer noch ist die Tatsache, daß sie ihre Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der Mann, den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert haben, hat eine seltsame Einstellung gegenüber seinen Nutzern - er glaubt wirklich daran, daß seine heilige Aufgabe darin bestehe, ihnen zu helfen.
 
Gefährlich für uns ist auch die Tatsache, daß die Buchprüfer nun den realen Wert der Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft haben. Es war einige Rennerei nötig, um dafür zu sorgen, daß der Geschäftsführer nicht erfährt, daß die elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für die wir eine Rechnung über 1.200 Pfund präsentierten, nichts anderes waren als schnurlose Telefone, die ein Freund des PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte.
 
Es ist offensichtlich, daß wir die Erbsenzähler wieder unter unsere Kontrolle bringen müssen. Wir vermissen nicht nur die ´Bonus´-Zahlungen unserer Zulieferer, es geht auch das Gerücht, daß andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken über unseren Service machen.
 
Zum Glück neigt unser Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon saß, so daß wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die Erbsenzähler ihm die Rückerstattung für seine geschäftlichen Auslagen für den ´Was immer sie wollen´-Begleitservice verweigerten, steht er auf unserer Seite.
 
Es hilft auch nichts, daß der Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den irritierenden Individuen gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen herumlaufen. Er sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man sieht, wenn man die Sumpfgebiete besucht. Allerdings hat sein Gesicht eine etwas andere Färbung ...
 
Er bewacht eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine Herausforderung darstellt.
 
"Ihr Netzwerk ist ja schon wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an uns vorbeigeht.
 
Während eines Updates brach das Netzwerk plötzlich zusammen - gerade als das große Rennen beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, daß die Mitarbeiter immer dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden, wenn große Rennen oder Fußballspiele stattfinden, nicht wahr?" grinst er hintergründig.
 
"Ja, wir haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre ich mich sagen, bevor ich höflich die Tür vor ihm zuknalle und einen weiteren Espresso schlürfe.
 
Ein paar Tage später finde ich mich auf dem Weg zu meinem Parkplatz ´zusammengebrochen´ vor dem Auto des Lächlers. Er betätigt die Dauerhupe, doch die Krankheit meines Wagens scheint unheilbar zu sein - zumindest seitdem ich die Zündkerze entfernt habe.
 
"Ich habe keine Ahnung, woran es liegt", schreie ich unter der Motorhaube hervor.
 
"Ich werde ihnen Hilfe holen."
 
Ich weiß, daß der Parkplatzwächter ganz bestimmt nicht aufspringen wird, um irgendjemandem zu helfen; einerseits liegt das daran, daß er über 90 Jahre alt ist, andererseits daran, daß ich ihm ein paar Videobänder der Überwachungskameras überlassen habe, die den Personalchef und die stellvertretende Verkaufschefin dabei zeigen, wie sie einige neue hocheffektive Techniken diskutieren, die sie ausprobieren wollen - im Hotel am Ende der Straße.
 
"Schnell", rufe ich den PJ. "Wir haben nur ein paar Minuten."
 
Wir wissen, daß die Sitzung der Geschäftsleitung in wenigen Augenblicken beginnt. Nach ein paar kleineren Veränderung am Server der Erbsenzähler sind wir bereit für die Show.
 
Als ich in meinem Büro sitze, schalte ich das Audioüberwachungsgerät ein - okay, die Wanze.
 
Wir hören die einschmeichelnde Stimme des Geschäftsführers. "Ich freue mich außerordentlich, ihnen heute unser neuestes Produkt vorführen zu können. Mein Dank geht an Anthony, unser Computer-Genie aus der Finanz-Abteilung, der mir bei der Vorbereitung dieser Vorführung geholfen hat. Ich glaube, wir haben eine Liveschaltung zu den Forschungslabors."
 
Liveschaltung, ja - Forschungslabors, nein. Der 3:30 Uhr in Newbury, definitiv. Keuchen aus der versammelten Runde sorgt dafür, daß der Lächler sofort in die Runde gebeten wird. Seine Proteste und Unschuldsbeteuerungen können nicht überzeugen, erst recht nicht, als die Sicherheitsleute, die der Parkplatzwächter begeistert (und in meinem Auftrag) alarmiert hatte, die Quittungen für die Geschäfte mit dem Wettbüro in seinem Schreibtisch ´finden´.
 
Der Geschäftsführer gibt wenig später die Auflösung des Netzwerkes der Erbsenzähler bekannt. "Ich denke, daß es besser ist, wenn ich die Netzwerk-Betreuung unter einem Dach zusammenbringe - dann können die Abteilungen zumindest solchen Aktivitäten nicht mehr nachgehen."
 
Netzwerke - es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und irgendwie scheinen die guten Chancen immer auf meiner Seite zu sein ...


 
b.o.f.h.

© Simon Travaglia, 28.05.1997, Übersetzung: thomas w., 2000.